München - Wolfgang Wagners älteste Tochter Eva Wagner-Pasquier hat ihre Bewerbung für die Leitung der Bayreuther Festspiele erneuert. Die in Paris lebende 62-jährige Opernmanagerin sagte der Illustrierten "Bunte", sie halte sich aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im Opernbetrieb für qualifizierter als ihre 29-jährige Halbschwester Katharina.

"Ich fühle mich nicht über meinem Zenit und stehe grundsätzlich bereit, weil ich absolut fit bin", erklärte Wagner-Pasquier: "Aber dieses Mal sollte der Festspielleiter sein Amt niederlegen und sich nicht nachträglich auf seinen lebenslangen Vertrag berufen, wenn er mit der Wahl der Stiftung nicht einverstanden sein sollte."

Der Stiftungsrat befasst sich am 6. November mit dem Nachfolgeproblem. Der 88-jährige Wolfgang Wagner soll Berichten zufolge gesundheitlich stark beeinträchtigt sein. Es wird nicht ausgeschlossen, dass er sein Amt als Festspielleiter deswegen verlieren könnte. Seine Tochter Katharina will gemeinsam mit dem Dirigenten Christian Thielemann die Nachfolge übernehmen.

Faktor Synergie

Auf den Faktor Synergie will Nike Wagner setzen: Sie hat eine gemeinsame Kandidatur mit ihrer Cousine Eva Wagner-Pasquier vorgeschlagen. "Wir kennen uns gut, wir kennen unsere Unterschiede. Es herrschen freundschaftliche Beziehungen. Wir sind durch die Geografie sehr viel getrennt, aber wir beobachten einander. Unsere Talente sind außerordentlich verschieden, und insofern sind wir nicht unplausibel", sagte die 62-Jährige dem Hörfunksender NDR Info.

Nike Wagner (62) ist die Nichte von Wolfgang Wagner und eine seiner schärfsten Kritikerinnen. Eva Wagner-Pasquier (62) ist Wolfgang Wagners Tochter aus erster Ehe. In der vergangenen Woche hatte die 29-jährige Katharina Wagner, Tochter des 88 Jahre alten Festspielchefs und Cousine von Nike Wagner, eine gemeinsame Kandidatur mit dem Dirigenten Christian Thielemann, Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, angekündigt.

"Die Stämme ..."

Nike Wagner, Leiterin des Kunstfestes in Weimar, ist von ihrer Qualifikation überzeugt. "Ich habe über Wagner gearbeitet, ihn mir angeeignet auf intellektuellem Gebiet. Ich leite heute ein Kunstfest, das in erster Linie ein Musikfest ist, also von der sogenannten Eignung her: Warum nicht?" Eine förmliche Bewerbung wolle sie im Vorfeld der Stiftungsratssitzung aber nicht einreichen.

Von der Sitzung erwartet sie wenig. "Der Stiftungsrat ist als solcher nicht handlungsfähig, wenn Wolfgang Wagner nicht den Weg freigibt und zurücktritt", erklärte Wagner. "Ich kann die Stiftungsratmitglieder nur immer wieder aufrufen, dass es hier um die Kunst geht, und nicht um den Machterhalt einer Familienmafia, die da mit Marketingstrategien versucht, die Bayreuther Festspiele in ihrer Hand zu halten und die Köpfe der Entscheidungsträger zu vernebeln."

"... der Familie Wagner"

Vor sechs Jahren hatte der Stiftungsrat gegen Wolfgang Wagners Willen Eva Wagner-Pasquier zu seiner Nachfolgerin gekürt. Daraufhin machte der Festspielleiter den Weg nicht frei. Sein Vertrag auf Lebenszeit gibt ihm die Möglichkeit dazu. Wenn Wolfgang Wagner offiziell seinen Rücktritt ankündigt, haben laut Stiftungssatzung die "Stämme der Familie Wagner" vier Monate Zeit, ihre Vorschläge einzureichen. (APA/dpa)