Das Finale des Stoiber-Rückzugs am CSU-Parteitag ging deutlich gesitteter über die Bühne als jene Chaos-Tage Anfang des Jahres, als Stoiber in Wildbad Kreuth abgesägt wurde. Günther Beckstein wurde an diesem Wochenende wunschgemäß mit satten 96,6 Prozent zum bayerischen Ministerpräsidenten nominiert, Erwin Huber wie erwartet zum neuen CSU-Chef gekürt. Horst Seehofer hat man auch nicht völlig beschädigt, Gabriele Pauli ist Geschichte und wartet jetzt vermutlich noch auf ein Angebot vom Playboy.

„Deckel drauf und jetzt ist Ruh! Herzlich grüßt die CSU“, mögen viele Delegierte erleichtert denken – schließlich markiert dieser Parteitag den Abschluss von neun aufreibenden Monaten, in denen die kleine Schwester der CDU harte innerparteiliche Kämpfe auszufechten hatte. Doch so wunderbar, wie es die CSU-Spitze weismachen will, ist dieser Neubeginn nicht. Mit Beckstein und Huber hat die Partei zwar einen Führungs-, aber keinen Generationenwechsel eingeleitet. „Die zwei Kurzen aus Bayern“, wie man sie in Berlin wegen ihrer nicht überragenden Körpergröße schon spöttisch bezeichnet, sind Gewächse der Ära Stoiber und haben jahrelang dessen politische Vorstellungen exekutiert. Und weit und breit ist in der nächsten Generation kein wirklich herausragendes Talent in Sicht, auf das man bauen könnte – auch wenn Generalsekretär Markus Söder sich selbst für das größte hält.

Beckstein und Huber erwecken auch nicht den Eindruck, nur eine Übergangslösung sein zu wollen. Im Gegenteil: Sie wirken befreit – als könnten sie jetzt endlich loslegen, wenngleich ihnen Stoiber als CSU-Ehrenvorsitzender und „Berater“ noch eine Zeit lang im Nacken sitzen wird. Große Änderungen wird es zunächst nicht geben, aber einen ersten finanziellen wie symbolischen Akt hat Beckstein schon gesetzt. Er will das unter Stoiber eingeführte, umstrittene Büchergeld, das Eltern für Schulmaterial bezahlen müssen, wieder abschaffen.

Die von ihnen so vehement geforderte „Geschlossenheit“ der Partei muss das neue Spitzentandem Beckstein und Huber jedenfalls vom ersten Tag an vorleben. In Bayern stehen in den kommenden zwei Jahren Kommunal-, Landtags-, EU- und Bundestagswahlen an, und es gibt viel zu verlieren. Seit Jahrzehnten regiert die CSU alleine, seit 2003 sogar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag. So gute Zahlen können für eine neue Führung paradoxerweise auch eine Bürde sein.

Es ist also nicht damit zu rechnen, dass es für die oftmals Stoiber-geplagte Kanzlerin Angela Merkel in Berlin nun leichter wird. Beckstein und Huber müssen daheim beweisen, dass auch sie so fordernd wie Stoiber sein können. Schon jetzt fürchtet man in Berlin ein wenig die „Kaczyñskis von Bayern“ – zwei Männer, die in der Koalition mit CDU und SPD beinhart ihre eigenen Interessen im Blick haben. Beckstein ist ohnehin als Hardliner bekannt, und Huber wies am Parteitag darauf hin, dass Leute aus Niederbayern (wo er herkommt) ja sogar „noch ein Stück sturer“ seien als der Rest des Bevölkerung.

Noch ein Wort zu den Verlierern: Horst Seehofer ist kein wirklicher, er bleibt CSU-Vize und soziales Gewissen der Partei – auch wenn sich sein Lebenstraum vom Parteivorsitz nicht erfüllte. Schade ist es um Gabriele Pauli – nicht um sie als Person mit ihrem Drang zur Selbstdarstellung, sondern um sie als Institution, die viel berechtigte Kritik zum Ausdruck brachte. Auch der neuen Altherren-Riege der CSU hätte eine mahnende Stimme gut getan. Pauli aber hat sich selbst ausgeschaltet. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2007)