Das Artis-Quartett zählt zu den Künstlern, die bei der Bundesländertour des „Ö1 Musiksalons“ zu erleben sind. Der Eintritt ist als Dankeschön an die Hörerinnen und Hörer des Senders frei.

Foto: Ö1
Eine zum Jubiläum von Ö1 zusammengestellte Kammermusikreihe des „Musiksalons“ macht im Herbst in allen Bundesländern Station und stellt arrivierte junge Künstler vor, die auf exquisiten Instrumenten aus der Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank spielen.

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Was wäre ein Musiker ohne sein Instrument? Diese Frage lässt sich je nach Geschmack und Geisteshaltung unterschiedlich beantworten, je nachdem, ob man mehr der Ansicht zuneigt, dass sich musikalische Ideen auch jenseits der eigentlichen Klanglichkeit vermitteln lassen, oder jener, dass erst die vollständige sinnliche Präsenz von Musik ihren ganzen Sinn ergibt.

Das Bonmot des österreichischen Pianisten Alfred Brendel, es gebe keine schlechten Klaviere, sondern nur schlechte Klavierspieler, bringt das fragile Verhältnis zwischen Instrument und Musiker auf den Punkt. Es lässt freilich auch das Wissen um die Tatsache mitschwingen, dass zwar ein guter Spieler auch aus einem minderwertigen Flügel einiges herausholen kann, dass es diesbezüglich aber doch Grenzen gibt.

Wenn es gerade bei Pianisten immer wieder zu Irritationen kommt, wenn sie auf unzulänglichen oder ungewohnten Klavieren spielen müssen, wirkt das zwar mitunter kapriziös, spiegelt aber die Sensibilität des Themas wider. Wer möchte schon sein Innerstes durch ein mediokres Sprachrohr preisgeben?

Das liebe Geld

Bei den wesentlich mobileren Blas- oder Streichinstrumenten stellt sich das Problem anders dar, dafür rückt die Finanzierung in den Vordergrund. Wer je Orchestermitglieder jammern gehört hat, dass sie aufgrund weniger guter Instrumente nicht zur gewünschten Klangqualität gelangen könnten, oder wer Zeuge wurde, wie Musiker verzweifelt auf der Suche nach einem Instrument waren, das sie sich leisten können, weiß das.

Und es gibt gerade bei Streichern Hochbegabte, die sich hoffnungslos verschulden, um ihren Klangvorstellungen gerecht werden zu können. Nun werden zwar auch heute hervorragende Streichinstrumente gebaut. Dennoch gilt die Sehnsucht vieler Musiker historischen Instrumenten mit unverwechselbarem Klang.

Was an Instrumenten überhaupt erhalten ist, davon geben etwa die Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums oder die Bestände der Gesellschaft der Musikfreunde, des Technischen Museums Wien oder der Museen für Völkerkunde und Volkskunde sowie der verschiedenen Landesmuseen einen Eindruck, am schönsten natürlich, wenn die Instrumente auch erklingen.

Daneben hat die Oesterreichische Nationalbank seit 1989 kontinuierlich eine Sammlung aufgebaut, die eine Besonderheit aufweist: Auch wenn sie bereits öffentlich gezeigt wurde, ist nicht ihre Präsentation innerhalb eines musealen Kontextes ihr vorderstes Ziel.

Gelebte Qualität

Stattdessen werden die 36 wertvollen Streichinstrumente unentgeltlich jungen Musikerinnen und Musikern zur Verfügung gestellt. Über die dem (übrigens aus Anlass der Erstausgabe der Goldmünze „Wiener Philharmoniker“ ins Leben gerufenen) Programm zugrunde liegende Philosophie hat der Gouverneur der Nationalbank, Klaus Liebscher, einmal gegenüber dem Monatsmagazin der Gesellschaft der Musikfreunde geäußert: „Wir kaufen die Instrumente nicht, um sie in die Vitrine zu stellen. Ihre Qualität lebt davon, dass sie gespielt werden.“

Bevor sie allerdings gespielt werden können, wird die Qualität der infrage kommenden Musiker eingeschätzt. Ein hochkarätiges Entscheidungsgremium wählt die Profiteure des Programms aus, unter denen es sowohl bereits bekannte Namen als auch hoch talentierte Nachwuchskünstler gibt, die sich und ihr Publikum für eine bestimmte Zeit am Klang der wertvollen Instrumente erfreuen können.

Die Leihgaben selbst bestechen bereits durch den Klang ihrer eindrucksvollen Namen: Einige Male taucht jener der Werkstatt von Antonio Stradivari auf, hinter dem die übrigen Geigenbauschulen wie Andrea Amati oder Giuseppe Guarneri kaum an Berühmtheit zurückstehen.

Freier Eintritt

Im Rahmen des „Ö1 Musiksalons“ werden nun einige Instrumente der Sammlung zusammen mit den zurzeit über sie verfügenden Musikern eine Reise in die Bundesländer antreten, wobei in jeder Landeshauptstadt bei freiem Eintritt andere Programme geboten werden, deren Bogen sich von Haydn bis zu Schostakowitsch spannt.

„Großes musikalisches Können in kleiner Besetzung“ soll als Dankeschön an die Radiohörer im Mittelpunkt stehen. Dazu gibt es ein Gewinnspiel, bei dem jede der an den unterschiedlichen Veranstaltungsorten schon jetzt erhältlichen Eintrittskarten des „Ö1 Musiksalons“ eine Chance auf den Gewinn einer Fünf-Euro-Münze und auf einen Besuch bei der Münze Österreich hat. So lässt sich der Klang der Münzen unmittelbar mit dem der von den jungen Künstlern gespielten Instrumente vergleichen und erkunden, was davon befriedigender sein mag. Zählkarten sind ab sofort direkt bei den Veranstaltungsorten erhältlich.(Daniel Ender/DER STANDARD; Printausgabe, 2.10.2007)