Dieter Moor in les.art.

Foto:ORF/Milenko Badzic
Hin und wieder verwechselt sich der ORF mit einem veritablen Kultursender. Oder wünscht zumindest, dass sein Publikum das tue. Aus einer solchen Stimmung heraus muss es wohl geschehen sein, dass man beschloss, sich eine Literatursendung zu gönnen.

Freilich zu später Stunde und nicht öfter als viermal im Jahr. les.art heißt das Magazin mit fashionablem Punkt in der Mitte. Als Moderator wurde Dieter Moor erkoren, der einst durch die "Kunst-Stücke" führte, und den wiederzuentdecken der Sender momentan wild entschlossen ist, als garantiere Moors Gesicht den Neubeginn der guten alten Zeit.

Misstrauen allerdings flackert auf, wenn die Literatursendung als erstes Thema einen "Ratgeber" ankündigt, der verrät, "wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat". Des Weiteren ein Buch, das 500 Romane in jeweils einem Satz wiedergibt. Zeichen, die nicht trügen. Mehr als ein Satz war in les.art kaum einem Buch gegönnt.

Wozu auch? Sechs eingespielte Beiträge, vier Studiogäste, zwei (ca. einminütige!) Lesungen stopften Moor und Co stattdessen in das schmale Format. Literatur mit etwas Zeitraubendem wie Nachdenklichkeit, gar Denkbewegungen in Verbindung zu bringen, war eine Gefahr, der Moor entging, indem er aufsprang, sobald seine Gesprächspartner – zumal Wendelin Schmidt-Dengler, der sich den eigenwilligen Gebrauch seines Verstands auch im ORF nicht abgewöhnen wollte – zu selbigen ansetzten. Flott flüchtete Moor in die nächste Pointe. les.art, das Magazin zum Lesen ohne Denken. (cia/DER STANDARD; Printausgabe, 2.10.2007)