Herr Professor Gerstenbrand! Sie wurden am 26. 9. in einer APA-Meldung als Präsident der „Österreich-Myanmar-Gesellschaft“ ausführlich zitiert, mit den Worten, „man muss eben Ordnung im Land halten“.

Weiters hatten Sie für den beispiellosen Mut jener, die sich unter Einsatz Ihres Lebens gegen das Militär auf die Straße wagten, nur die zynischen Worte übrig: „Die jungen Burschen, die jetzt grölend die Straßen stürmen, sind vom buddhistischen Gedankengut weit entfernt.“ Nun weiß ich nicht, wie viel oder wenig Sie vom buddhistischen Gedankengut verstehen, aber darum geht es hier nicht.

Es geht um etwas ganz anderes, das ich für meinen Teil nur als beispiellosen Skandal bezeichnen kann. Dass Sie, als prominenter Neurologe, als Präsident einer „Freundschaftsgesellschaft“ und einfach als österreichischer Bürger hier einer Diktatur das Wort reden, die seit 20 Jahren mit den Mitteln von Terror, Folter und Mord (nicht zu vergessen ethnische Säuberungen) gegen ihr Volk regiert, das in Armut lebt, während die Generäle sich in Reichtum geradezu suhlen.

Ich möchte gerne von Ihnen wissen, wie Sie es rechtfertigen, hier ein Regime zu verteidigen, das nun schon wieder mit Waffengewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, die nichts anderes fordert als demokratische Zustände?

Sie wussten am 26. September noch nichts davon, dass bei den Protesten Menschen zu Tode gekommen sind? Jetzt wissen Sie es.

Finden Sie den Einsatz von Waffengewalt gegen die eigene Bevölkerung in Ordnung? Oder die Erstürmung von buddhistischen Klöstern? Die Verschleppung und Internierung hunderter, wenn nicht tausender buddhistischer Mönche und Zivilpersonen? Das Hineinfeuern in Mengen friedlicher Demonstranten? Die jahrzehntelange Einkerkerung der wichtigsten politischen Oppositionsfigur, der Tochter des Staatsgründers, Aung San Suu Kyi?

All das läuft bei Ihnen unter „Ordnung halten“? Welche Geisteshaltung offenbart sich hier? Selbst der Vizepräsident Ihrer eigenen Gesellschaft hat sich heute von Ihren Aussagen distanziert.

Ich bin einfach nur entsetzt. Sie sollten von dieser Präsidentschaft zurücktreten und sich bei den Opfern öffentlich entschuldigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2007)