Wien - Österreichs Gewerbe und Handwerk sehen sich in der Klemme. Mehr als 64 Prozent der Betriebe machen keine Gewinne, ist Georg Toifl, Obmann der zuständigen Bundessparte in der Wirtschaftskammer, überzeugt. "Die Aufträge sind gut, aber die Erträge fehlen." Die Schuld dafür gibt er dem "Preisdiktat großer Firmen", etwa aus der Mineralöl- und Energiewirtschaft. Das für kleine Betriebe nötige Vormaterial hätte sich innerhalb eines Jahres zum Teil um mehr als 50 Prozent verteuert.

Die Kammer ortet daher für die anstehenden KV-Verhandlungen keinen Spielraum für größere Lohnsteigerungen. Im Vorjahr hat es einen Aufschlag von 2,6 Prozent gegeben. Mehr kann sich Toifl auch für heuer nicht vorstellen. Für nicht durchsetzbar in seiner Branche hält er zudem die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg. Bei dem oft negativen Eigenkapital sei das schlicht unmöglich. Und wenn doch, dann gehöre dafür erst das Steuer- und Sozialversicherungssystem geändert.

"Derzeit muss ein Unternehmer 250 Euro in die Hand nehmen, um seinem Mitarbeiter netto 100 Euro mehr zu geben." Abgesehen davon seien im Gewerbe und Handwerk informelle und leistungsbezogene Belohnungen ohnehin seit Jahrzehnten gängige Praxis.

Walter Bornett, der Chef der KMU Forschung, stellt den Betrieben für das dritte Quartal ein ganz gutes Zeugnis aus. 86 Prozent - und damit mehr als im Jahr zuvor - seien mit der aktuellen Situation zufrieden. Im laufenden Quartal will das Gewerbe zudem 10.000 neue Jobs schaffen. Es ist der höchste Wert seit 1999. (vk, DER STANDARD Printausgabe 02.10.2007)