Wien - Big Five heißen im Kauderwelsch von Jägern und Afrika-Touristen Löwe, Elefant, Nashorn, Nilpferd und Giraffe. Der europäische Fußballverband UEFA hat in der Champions League (UCL) eine ähnliche Hierarchie der Aufmerksamkeit eingeführt.

17 der 32 Klubs in der aktuellen Gruppenphase kommen aus den Big Five: England (Manchester United, Chelsea, Liverpool, Arsenal), Italien (Roma, Inter, Lazio, Milan), Deutschland (Stuttgart, Bremen, Schalke), Spanien (Barcelona, Real Madrid, FC Sevilla, Valencia) und Frankreich (Lyon, Marseille). Das kann man als Willkür betrachten, denn die UEFA teilt die Kontingente zu. Man kann das freilich auch als wirtschaftliches Kalkül qualifizieren, denn aus den fünf Ligen lukriert Europas Fußballmarkt 53 Prozent seiner Einnahmen von insgesamt 12,6 Milliarden Euro (2005/2006). Die Weltmeisterschaft 2006 stellte den zweiten großen Umsatzfaktor dar, die Wirtschaftskraft aller anderen Ligen nimmt sich im Vergleich dazu auch fein aus. Aber klein, nämlich 14 Prozent. Die englische Premier League allein macht mehr Wind.

Kleine Meute

Ein Beispiel: Die niederländische Ehrendivision, die größte Liga außerhalb der Big Five, nahm 2005/2006 355 Millionen Euro ein. Das ist nur rund ein Drittel der Einnahmen, die in Frankreichs Eliteliga verbucht werden. Und die französische ist mit Abstand die kleinste der Großen.

Der Rest der hungrigen UCL-Meute von 15 Mannschaften verteilt sich über zehn Nationen, Portugal stellt drei (Sporting Lissabon, FC Porto, Benfica Lissabon), die Türkei (Besiktas und Fenerbahce Istanbul) und die Ukraine (Schachtjor Donezk, Dynamo Kiew) schicken jeweils zwei Teilnehmer.

Das schöne Spiel steckt mitten in einem erbitterten Verteilungskampf und die Big Five wollen sich ihr Reservat um nichts in der Welt verkleinern lassen. UEFA-Präsident Michael Platini will die UCL reformieren und vier Plätze in der Gruppenphase reservieren, die sich die Cupsieger aus 16 (nicht-Big-Five)-Nationen ausspielen. Die G14 der großkopferten Klubs lehnt Platinis Pläne kategorisch ab und will ihrerseits zur Formel mit der zweiten Gruppenphase (längere Aufenthaltsdauer an der Futterkrippe, mehr Heimspiele, mehr Geld aus TV-Lizenzen) zurückkehren.

Große Sorgen

"Wir sind sehr besorgt, dass die Qualität des Wettbewerbes leidet und damit ein Schaden entstehen könnte", meinte G14-Generalsekretär Thomas Kurth. Platini kann seinerseits auf den Beifall von prominenten Trainern wie Jose Mourinho (Ex-Chelsea) oder Arsene Wenger (Arsenal) zählen.

Japans Teamchef Ivica Osim warf Platini aus der Ferne "Demagogie" vor. Er könne seine schönen Pläne gar nicht verwirklichen, weil ihm das Geld dazu fehle. Osim: "Am Ende lautet der Kampf UEFA gegen die großen Klubs, die stärker sind. Es ist wie in der Weltpolitik. Amerika macht auch, was es will. Die Demokratie besteht eigentlich nur noch auf dem Papier."

Und die Bilanzen sind ein ziemlich repräsentativer Ausdruck dafür.

Die UEFA lukrierte für die UCL 2005/2006 aus TV-Gebühren, Sponsoring und Werbung 437 Millionen Euro. Seit 1992/93, als die Champions League eingeführt wurde, stiegen die Einnahmen um den Faktor 17. Damit ist die Wirtschaftskraft der UCL bereits halb so groß wie die der (alle vier Jahre stattfindenden) Europameisterschaft (2004: 840 Millionen). Über vier Jahre gerechnet, ist die UCL also der leistungsfähigste Goldesel des internationalen Kicks.

Lionel Messi und der FC Barcelona spielen am Dienstag in Stuttgart Champions League. Finanziell sind die Schäfchen schon im Trockenen. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 2. Otober 2007)