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Die Schweizer UBS fährt im dritten Quartal erstmals seit neun Jahren einen Verlust ein. Jetzt wird umgebaut. 1500 Jobs, primär in Großbritannien und den USA, gehen verloren.

Foto:AP/Ruetschi
Wien - Die US-Hypothekenkrise schlägt auf Schweizer Großbanken durch. UBS muss infolge von Spekulationen im US-Hypothekarmarkt rund 2,4 Mrd. Euro abschreiben und im dritten Quartal einen Verlust von bis zu 482 Mio. Euro verbuchen. Es ist der erste Verlust seit neun Jahren.

Im Quartal davor hatte UBS mit 3,4 Mrd. Euro einen Rekordgewinn verbucht. Trotz der starken Einbußen erwartet das größte Schweizer Geldhaus für die ersten neun Monate einen Gewinn in Höhe von rund sechs Mrd. Euro. Zunächst muss es aber seine Investmentbank wieder in Form bringen. Sie soll jetzt umgebaut werden - und das kostet bis Jahresende 1500 Arbeitsplätze, teilte der Konzern mit.

Laut UBS-Chef Marcel Rohner sei die Schweiz selbst vom Stellenabbau allenfalls marginal betroffen. Die meisten Arbeitsplätze gingen in Großbritannien und den USA verloren - und im Management: UBS-Finanzchef Clive Standish verlässt die Gruppe. Offiziell geht der 64-jährige Brite in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Marco Suter, derzeit Vizepräsident des UBS-Verwaltungsrats. Auch Investmentbank-Vorstand Huw Jenkins tritt ab. Seine Agenden übernimmt Rohner. Der geht davon aus, dass die Abschreibungen im Volumen von 2,4 Mrd. Euro ausreichen, auch wenn die Krise nicht vorüber sei. Eine Ende der Turbulenzen sei erst in den kommenden Monaten zu erwarten, sagte Rohner. An der Schweizer Börse wurde die Aussicht auf die Verluste ungnädig aufgenommen. UBS-Aktien sanken zeitweise auf Werte unter 36 Euro.

Österreichs Banken sehen sich von der Kreditkrise in den USA nicht oder nur geringfügig direkt betroffen. "Die Subprime-Krise trifft uns nicht materiell", sagt RZB-Sprecher Andreas Ecker zum Standard. RZB halte zwar Assets, die teilweise im Subprime-Segment investiert seien. Der Anteil dieser Investitionen an der Bilanzsumme liege aber unter 0,03 Prozent.

Die BA-CA will ihre Eigenveranlagungen nicht näher erläutern. Sie sei im Subprime-Geschäft aber nur minimal engagiert. Etwaige Schieflagen in dieser Sparte ließen sich einfach ausgleichen, sagt BA-CA-Sprecher Timon Kiesenhofer.

Auch die Erste Bank sieht laut Sprecher Michael Mauritz so gut wie keine Folgen für ihr Portfolio. Sie habe in den Subprime-Markt auf eigene Rechnung 3,2 Mrd. Euro investiert. Der Wertminderung betrage nur rund zwei Prozent oder 71 Millionen Euro.

Hohe Nervosität

Den indirekten Auswirkungen der Krise können sich freilich auch die österreichischen Finanzhäuser nicht entziehen. Die Nervosität am Markt belastet die Interbank-Geschäfte erheblich, und der Einkauf von Geld hat sich massiv verteuert. Keiner traue dem anderen mehr über den Weg, ist vielfach zu hören. Mehr Klarheit darüber, wer welche Leichen im Keller hat, bringen die Veröffentlichungen der Ergebnisse des dritten Quartals. Und spätestens mit kommenden Frühjahr, wenn alle 2007er-Zahlen auf dem Tisch liegen, sollte sich die Unruhe legen, hofft die Branche.

Vorerst reißt die US-Immobilienkrise jedoch eine Bank nach der anderen mit. Zu den jüngsten Opfern zählt die US-Internetbank NetBank: Das insolvente Institut wurde geschlossen. Die ING Bank hat 1,5 Mrd. Dollar der gesicherten Einlagen übernommen.

Eiskalt erwischt hat es auch die weltgrößte Bank Citigroup. Das US-Finanzinstitut veröffentlichte am Montag eine Gewinnwarnung. Das Ergebnis im dritten Quartal werde voraussichtlich - bei Abschreibungen von mehr als drei Mrd. Dollar - um 60 Prozent einbrechen. Grund dafür seien magere Anleihemarktgeschäfte, Abschreibungen auf Kreditzusagen und steigende Kosten bei Privatkrediten. (DER STANDARD Printausgabe 02.10.2007)