Bild nicht mehr verfügbar.

eBay-Präsidentin Meg Whitman (links) und der nun mehr ausgeschiedene Skype-Gründer Niklas Zennstrom.

Foto: APA/AP/Sergio Dionisio
Der bekannte VoIp-Dienst Skype steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie am Dienstag bekannt wurde, hat Skype-Gründer Niklas Zennstrom das Unternehmen verlassen, um sich nun gemeinsam mit Janus Friis dem Internet-Fernsehangebot Joost zu widmen. Der US-Konzern eBay steht nun vor der schwieirgen Aufgabe die Weichen für die Zukunft von Skype zu stellen; immerhin hat das Unternehmen vor zwei Jahren 2,6 Milliarden Dollar für die Übernahme von Skype gezahlt.

Wertminderung

Am Montag erklärte eBay in einer Aussendung, dass man den Wert von Skype um 900 Millionen Dollar hinuntersetzen werde. Dieses so genannte "Impairment Write-down" ist vorgeschrieben, wenn ein Unternehmen einen zu hohen Marktwert aufweist, der sich in der Realität allerdings nicht vorhanden ist. Das Internet-Auktionshaus erklärte am Montag, es werde den vor zwei Jahren vereinbarten maximalen Kaufpreis von 4,3 Milliarden Dollar (3,02 Mrd. Euro) um 1,2 Milliarden Dollar reduzieren. EBay zahlte für Skype zunächst 2,6 Milliarden Dollar, vereinbarte jedoch abhängig vom Wachstum weitere Zahlungen von 1,7 Milliarden Dollar.

Neuer Chef gesucht

eBay muss sich nun auf die Suche nach einem neuen Chef für seinen Internettelefonie-Dienst, anstelle des Mitbegründers Niklas Zennstrom, machen. eBay- Strategiechef Michael van Swaaij werde zunächst kommissarisch die Führung bei Skype übernehmen. Zudem will eBay für Skype eine Abschreibung von 1,4 Mrd. Dollar vornehmen. Mit der Reduzierung des Kaufpreises und der Abschreibung räumt eBay ein, das Potenzial von Skype deutlich überschätzt zu haben. Viele Aktionäre hatten die Übernahme von Anfang an als überteuert kritisiert. Die Anleger reagierten deshalb erfreut auf den geringeren Kaufpreis: eBay-Aktien kletterten auf den höchsten Stand seit 18 Monaten.

Über Wert

Kritiker nannten den Kauf oft überteuert: Skype erwirtschaftete zum Beispiel im zweiten Quartal einen Umsatz von 90 Mllionen Dollar bei 220 Millionen registrierten Nutzern. Die Skype-Altaktionäre erhalten unterdessen eine weitere Zahlung von 375 Millionen Euro. Sie hatten beim Verkauf eine zusätzliche ergebnisabhängige Zahlung von bis zu 1,2 Milliarden Euro ausgehandelt. EBay teilte mit, angesichts der Fortschritte und des Wachstums der Nutzerzahl betrachte man die 375 Millionen Euro als gerechtfertigt. Der Betrag werde mit weiteren 630 Millionen Euro im dritten Quartal als Abschreibung verbucht. Nähere Details zu dieser Summe wurden nicht genannt.

Wenig Neuerungen

Nach zwei Jahren hat sichbei Skype relativ wenig getan. Es gibt kleine Integrationsversuche zwischen den eBay-Auktionsangeboten und dem VoIP-Service, aber auf jeden Fall zu wenig Gewinn um einen dermaßen hohen Kaufpreis rechtfertigen zu können.

Was kommt als nächstes?

Die Frage ist nun ganz klar, was mit Skype in der nahen Zukunft passieren wird. Das aktuelle Geschäftsmodell kann eBay nicht zufrieden stellen. Auch wenn Skype sehr gut läuft und funktioniert, müssen nun neue Geschäftsfelder geöffnet werden. Geld lässt sich derzeit nur durch die Skype-In oder Skype-Out-Dienste generieren. Weder von Seiten Skypes noch von eBay wurden Zahlen zu den tatsächlichen Nutzern genannt. Analysten rechnen allerdings, damit, dass "Skype-Out" und die damit verbundenen Einnahmen am absteigenden Ast sind. "Wir denken, dass wir mehr Chancen und Möglichkeiten mit Skype haben, wenn es ein eigenständiger VoIP-Anbieter ist", so Hani Durzy, Sprecher von eBay gegenüber CNet. "Skype wurde gekaut, um Kunden zu gewinnen und es hat seinen Job hervorragend gemacht. Aber wir sehen auch, dass wir neue Wege finden müssen um diese Nutzer auch in Geld verwandeln zu können." Eine Möglichkeit wäre etwa eine stärkere Integration von eCommerce in den Skype-Client. Auch die Möglichkeit über Werbeeinblendungen Geld zu verdienen werde nun angedacht,

Auf das Handy

Viele Analysten sehen eine große Chance für eBay und Skype im Bereich des Mobilfunks. Die Applikationen auf Handys zu integrieren, würde zusätzliches Wachstum und Kunden bedeuten. Derzeit läuft Skype zwar schon auf einigen Smartphones, allerdings seien die Systemanforderungen noch zu hoch für den Massenmarkt. Zudem muss auch mit einer schnellen Internetanbindung geskypt werden - ebenfalls noch ein wesentlicher Kostenfaktor und Minuspunkt. Ein abgespeckter Client würde hier auch mehr Kunden generieren. Scott Devitt von der Investmentfirma Stifel Nicolaus meint: "Wireless ist der Schlüssel für die Zukunft. In meinen Augen ist das die einzige Möglichkeit den Kaufpreis für Skype irgendwie zu rechtfertigen und hereinzubekommen."

PayPal und Skype

An Möglichkeiten scheint es eBay ohnehin nicht zu mangeln. So sind andere US-Analysten überzeugt, dass es zu einer Koppelung von PayPal und Skype kommen wird.(red/APA)