Zum dritten Mal binnen Tagen ward Dienstagabend die angespannte Situation in der österreichischen Filmwirtschaft podiumsdiskutiert. Die öffentlichen Förderbudgets seien eklatant zu niedrig. Die Politik lasse den ORF "am langen Arm verrecken" , kritisierte Harald Krassnitzer bei einer Diskussion im SP-Parlamentsklub. Und der ORF die Filmer. Etwas mehr Geld versprach August Reschreiter, Medienexperte der zuständigen Ministerin Doris Bures: Wenn der Umstieg auf Digital-TV vollzogen ist, sollen die Fördermittel von dort Richtung Fernsehfilmförderung umgeleitet werden.

Von Digital zu TV-Film

Nach STANDARD-Infos sollen 2009 30 Prozent der jährlich 7,5 Millionen Euro aus dem Digitaltopf abgezweigt werden, 2010 dann 60 Prozent und 2011 annähernd die volle Summe. Das verdoppelt dann die Mittel des bei der Medienbehörde angesiedelten TV-Produktionsfonds. Für Schauspieler Harald Krassnitzer ist das bestenfalls ein "Kindergeburtstag". Wie einst angekündigt, möge die SPÖ die gesamte Filmförderung verdoppeln.

Laut Wolfgang Lorenz investiert der ORF im Jahr rund 100 Millionen Euro in die Filmwirtschaft. "Mehr haben wir einfach nicht", sagt der Programmdirektor der Anstalt und wünscht sich andere Rahmenbedingungen. Einen Runden Tisch mit Vertretern der vier betroffenen Ministerien, des ORF, der Filmwirtschaft befürwortet er. Man brauche "eine politische Neuaufstellung", müsse "Ministerien, Länder, Förderer an einen Tisch bringen".

Krassnitzer wertete das als ORF-Unterstützung für die Anliegen der Filmwirtschaft. "Wenn wir ohnehin der gleichen Meinung sind, dann lassen Sie uns das doch nützen", meinte der Schauspieler und schlug einen "großen Runden Tisch" vor, um eine "Lex Filmwirtschaft" zu ermöglichen. Krassnitzer hat mit "Blinklicht" eine Produktionsfirma für Handy-TV und Onlinebewegtbilder gegründet.

Zeit für Filmgipfel

Lange genug sei die Branche zwischen ORF und Politik hin- und hergeschickt worden, bemängelt er. Produzent Kurt Stocker: "Es fehlt ein Filmgipfel in diesem Land. Wir suchen seit Jahren einen Politiker, der sich die Förderung des Films auf die Fahnen heftet." Lorenz: "Was der ORF tun kann, wird er auch dazu beitragen." (APA, red/DER STANDARD; Printausgabe, 4.10.2007)