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Die Sozialpartner (v.l.n.r) Gerhard Wlodkowski (Landwirtschaftskammer), Christoph Leitl (Wirtschaftskammer), Herbert Tumpel (Arbeiterkammer) und Rudolf Hundstorfer (Österreichischer Gewerkschaftsbund) bei der Überreichung ihrer Vorschläge.

Foto: apa/pfarrhofer

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Vorschläge der Sozialpartner

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Bad Ischl - Die Sozialpartner sprechen sich für die Erarbeitung eines Konzepts für ein "neuartiges Schulwesen" aus. In einem 20-seitigen gemeinsamen Papier zur "Chance Bildung", das am kürzlich bei einer Pressekonferenz in Bad Ischl vorgestellt wurde, wird zwar das Wort Gesamtschule oder gemeinsame Schule nicht erwähnt, allerdings ist davon die Rede, die Bildungswegentscheidung "im Anschluss an die Sekundarstufe I (also im Alter von 14 Jahren, Anm.) fundiert" zu treffen.

Weiters fordern die Sozialpartner unter anderem einen "flächendeckenden Ausbau von Ganztagesschulen" sowie ein bundesweit einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht für alle Lehrer sowie stärkere finanzielle Unterstützung der Weiterbildung.

Schulversuche

Laut ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer ist das Papier ein "Kompromiss der Worte". Auch im ÖGB gebe es zum Thema Gesamtschule eine "massive Diskussion". Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl sprach sich klar für Versuche zu einer gemeinsamen Schule aus: Die Sozialpartner wären doch "Narren", wenn sie solche verhindern wollten. Allerdings wolle man umgekehrt nicht von vornherein hineinschreiben, was dabei herauskomme. Auf die Frage, ob er sich in der VP für solche Versuche einsetzen werde, meinte Leitl: "Wenn ich ein Papier unterzeichne, stehe ich zu diesem Papier."

Gemeinsame Lehrerausbildung

In Richtung gemeinsame Schule deutet auch eine Formulierung im Bereich Hochschulpolitik: Dort wird die Umwandlung der Pädagogischen Hochschulen in "Hochschulen für Pädagogische Berufe (Aus- und Weiterbildung für LehrerInnen, KindergartenpädagogInnen und ErwachsenenbildnerInnen) auf universitärem Niveau mit der Möglichkeit einer gemeinsamen Lehrerausbildung" angeregt.

Die Philosophie hinter dem Papier der Sozialpartner sei die so genannte "Flexicurity". Es solle etwa für Lehrabsolventen möglich sein, Universitätsprofessor zu werden, erklärte Leitl.

Verpflichtendes Vorschuljahr

Möglichst kurzfristig sprechen sich die Sozialpartner für die Einführung eines verpflichtenden und gebührenfreien Vorschuljahres aus - für jene Kinder, die dies aufgrund von Sprachschwierigkeiten brauchen, ergänzte Leitl. Weitere Forderungen betreffen das "Recht auf ein ganztägiges Betreuungsangebot durch ein flächendeckendes Angebot an Ganztagesschulen" bis 2012. In der Oberstufe plädieren die Sozialpartner für ein Kurssystem, um das Wiederholen ganzer Klassen zu vermeiden.

Lehre mit Matura

Die Lehre soll eine "gleichwertige Alternative zur vollschulischen Ausbildung auf allen Ebene der beruflichen Erstausbildung sein", heißt es im Papier. Insbesondere solle es auch eigene maturaführende duale Ausbildungsangebote parallel zur BHS geben. Die Berufsreifeprüfung soll nicht nur im zweiten Bildungsweg, sondern auch schon im Rahmen der Lehre erworben werden können.

Finanzierung Weiters wollen die Sozialpartner, dass "alle formalen Angebote der Primär- und Sekundärbildung" wie Hauptschule oder Matura auch für Erwachsene kostenfrei sein sollen. Erheblich aufgestockt wissen wollen die Sozialpartner die staatlichen Ausgaben für Weiterbildung. (APA)