Drei Tage nach den vorgezogenen Parlamentswahlen in der Ukraine steht zwar das offizielle Endergebnis noch immer nicht fest, jedoch hat Präsident Viktor Juschtschenko alle Seiten zu gemeinsamen Gesprächen aufgerufen. Sowohl die zwei Parteien des orangen Lagers als auch die im russischsprachigen Osten des Landes starke Partei der Regionen(PdR) rund um Noch-Premier Viktor Janukowitsch sollten beraten, wer die Regierung bilden werde. "Wir können politische Stabilität erreichen auf der Basis einer politischen Verständigung zwischen den drei wichtigsten politischen Kräften", sagte Juschtschenko.

Geht es nach Revolutionsikone Julia Timoschenko, die mit ihrem Block BJuT zwar nicht stimmenstärkste Partei wurde, aber doch einen sensationellen Zuwachs auf etwa 30,75 Prozent verzeichnet, wird eine solche Verständigung nicht stattfinden. Wie schon früher hat sie auch am Mittwoch eine Koalition mit PdR ausgeschlossen.

Harmoniefreudiger gab sich Janukowitsch (34,3 Prozent), was sich dadurch erklärt, dass er mit den Kleinparteien, die den Einzug ins Parlament schafften, keine Mehrheit hinkriegt. Timoschenko würde eine Mehrheit mit dem präsidentennahen orangen Block NU-NS (14,2 Prozent) schaffen.

Offenbar liebäugeln aber Teile von NU-NS auch mit Janukowitsch, was für Timoschenko, wie sie am Mittwoch erklärte, den Gang in die Opposition bedeuten würde. Von dort aus hat sie schon im letzten Jahr ihre beiden männlichen Konkurrenten vor sich hergetrieben.

Dazu beitragen könnte auch der Zankapfel, den der russische Gasmonopolist Gazprom am Dienstag in die Ukraine warf. Laut Gazprom habe die Ukraine 930 Millionen Euro Schulden angehäuft. Würden diese nicht ausgeglichen, werden mit Monatsende die Lieferungen gedrosselt. Die Ukraine reagierte offenbar schnell und hat laut Gazprom ein Einlenken signalisiert. Interpretiert wird Gazproms Drohung als Reaktion auf Timoschenkos Ankündigung, als Premierministerin die Gaszwischenhändler zu umgehen. (Eduard Steiner aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2007)