Donald Rumsfeld wird das gar nicht gefallen – und John Bolton, seinem früheren Staatssekretär im Pentagon und UN-Botschafter, auch nicht. „Pussyfooting“ hat Bolton, der letzte Neokonservative, der noch in Washington kämpft, die Nordkoreapolitik seines Präsidenten George W. Bush kürzlich genannt: „Leisetreterei“, unnützes Geplänkel über einen Handel mit den Nordkoreanern also, deren wahre Absichten die US-Diplomaten nur zu gut kennen, aber plötzlich nicht wahrhaben wollen. Jetzt ist die Einigung zur Denuklearisierung aber offensichtlich da. Bis Dezember, so verspricht die Führung in Pjöngjang, will sie tatsächlich alle Atomanlagen in ihrem Forschungszentrum Yongbyon abschalten.

Für die amerikanische Delegation bei den Sechs-Parteien-Gesprächen über den Atomstreit mit Nordkorea ist das ein bedeutender Durchbruch. Bisher bestand keine Einigung darüber, was „Denuklearisierung“ in Nordkorea konkret bedeuten soll. Das Grundsatzabkommen vom 13. Februar ließ dies offen. Bolton und seine schweigsam gewordenen Gesinnungsfreunde haben nun Recht und Unrecht zugleich. Eine Garantie dafür, dass sich Kim Jong-ils Regime an schriftliche Vereinbarungen hält, gibt es nicht; die Geschichte vergangener Abkommen mit Pjöngjang hat eher das Gegenteil gezeigt.

Eine brauchbare Alternative zu den Verhandlungen mit Nordkorea gibt es aber ebenso wenig; mit ihrer ideologisch getriebenen Prinzipientreue, mit Mitgliedern der „Achse des Bösen“ lediglich über die bedingungslose Aufgabe zu sprechen, hat die Regierung Bush den Atomstreit ganze vier Jahre treiben lassen. Nordkoreas Atomtest am 6. Oktober 2006 war die Folge. Den Kollateralschaden dieser US-Diplomatie trug Südkorea. Für das laufende innerkoreanische Gipfeltreffen in Pjöngjang ist die Nuklear-Einigung deshalb eine gute Nachricht. Seouls Politik der Annäherung an den Norden funktioniert nur mit den USA. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2007)