Im Vergleich zu den US-amerikanischen Eliteuniversitäten sind deutsche Hochschulen kleine Nummern, zumindest, was die finanziellen Möglichkeiten betrifft. So verwaltet zum Beispiel allein die noble Harvard University ein Vermögen von knapp 30 Mrd. US-Dollar. Das Stiftungsvolumen des ewigen Konkurrenten Yale beträgt 18 Mrd. US-Dollar. Solch enorme Beträge schaufelt der Rektor natürlich nicht auf das Universitäts-Sparbuch, sondern überlässt es den hauseigenen Asset-Managern. Die sollen die Gelder getreu dem Motto „Ein hungriger Magen studiert nicht gern“ bestmöglich vermehren. Weil sich die Portfolio-Manager häufig aus ehemaligen Elitestudenten, darunter auch Nobelpreisträger, rekrutieren, gilt die Qualität des Managements als sehr hoch. Dies ist der Hintergrund für das „College Invest“-Zertifikat (ISIN DE 000 LBB 111 8) der Landesbank Berlin. Es partizipiert an dem „College Invest“-Index, der sich wiederum primär aus Fondsanteilen des „ACATIS Modulor College Fonds Anteilklasse I“ zusammensetzt.

ACATIS ist eine Frankfurter Vermögens- und Fondsverwaltungsgesellschaft, die vom über die Medien bekannten Ex-McKinsey-Mann Hendrik Leber geleitet wird. Die Anlagephilosophie der Firma orientiert sich im Wesentlichen an der Methodik des „Value Investing“, wie sie auch Warren Buffett betreibt. Ergänzt wird dieser wertorientierte Investmentstil durch selbst erarbeitete oder aus akademischer Forschung entwickelte Techniken. Dabei wird bei der Zusammenstellung des „ACATIS College“-Fonds eine breite Diversifikation über alle Anlageklassen angestrebt.

Um Einsicht in die Anlagemethoden der Elite-Unis gewinnen zu können, hat ACATIS die im Zehn-Jahresvergleich erfolgreichsten amerikanischen Universitätsstiftungen fundamental analysiert und deren Vorgehensweise beim Investmentprozess studiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bilden die Grundlage für die Portfoliostrukturierung des „College Fonds“. Wie detailgetreu sich die Anlagekonzepte der Uni-Experten aber angesichts der Breite und Fülle der Strategien überhaupt nachbilden lassen, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass die Performance-Erfolge der großen Universitätsstiftungen ganz erheblich variieren. Das MIT (Massachusetts Institute of Technology) zum Beispiel schaffte im vergangenen Jahr eine Spitzenperformance von 23,0 Prozent. Hätte sich ACATIS jedoch an der University of California orientiert, wäre „nur“ ein Plus von 11,6 Prozent herausgesprungen. Dieses Beispiel zeigt: Man kann die Uni-Konzepte nicht in einen Topf werfen, weshalb es a priori auch keine allgemeinverbindliche „College“-Strategie und damit auch kein lupenreines „College“-Zertifikat geben kann.

ZJ-Fazit: Der dem „College“-Index zugrunde liegende ACATIS-Fonds hat seit der Markteinführung im Januar 2007 noch keine befriedigenden Ergebnisse geliefert. Die Performance beträgt minus 2,2 Prozent. Außerdem wird der Anleger gleich doppelt bei der Managementgebühr abkassiert. Einmal auf Fondsbasis (bis zu 0,55 Prozent p.a.) sowie auf Ebene des Zertifikats (0,5 Prozent p.a.). Ob es sich lohnt diese Kosten zu tragen, muss das Campus-Produkt im Praxistest erst noch unter Beweis stellen.