Im August dieses Jahres wurden in Salzburg die ersten "Stolpersteine" verlegt. Messingbesetzte Pflastersteine, die individuell an von den Nationalsozialisten ermordete Salzburger erinnern. Die von privaten Spendern finanzierte Aktion eines deutschen Künstlers ging mit breiter medialer Zustimmung und ohne irgendeine Gegenkampagne über die Bühne. Salzburg ist die erste Landeshauptstadt Österreichs, wo solche Stolpersteine verlegt wurden.

Warum die Stolpersteine so erwähnenswert sind? Weil sich die Stadt Salzburg bis dahin mit Themen wie Nationalsozialismus oder Antisemitismus immer besonders schwer getan hat. Die peinlichen Beispiele reichen vom regelmäßigen Aufmarsch der SS-Veteranen auf dem Kommunalfriedhof bis zur Affäre um die Herzl-Tafel. Im Jahr 2001 wurde eine Gedenktafel für den Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, enthüllt, auf der ein Zitat Herzls über den Antisemitismus im Salzburg der Jahrhundertwende derart verkürzt wiedergegeben worden war, dass Herzl posthum wie ein unreflektierter Lobhudler der Festspielstadt wirken musste.

Das positive Beispiel der Stolpersteine gibt Hoffnung für das aktuelle Projekt auf dem Residenzplatz. Hier soll mit einer Licht- skulptur an die einzige Bücherverbrennung der Nazis auf österreichischem Boden erinnert werden. Gut möglich, dass sich das lokale Kleinformat mit Argumenten wie "Altstadtschutz" und "Geldverschwendung" - vor den Wahlen 2009 - auf das Projekt einschießt. Mit der Planung befasste Architekten und Beamte äußern hinter vorgehaltener Hand diese Befürchtung.

Die Stolpersteine haben aber gezeigt, dass in Salzburg inzwischen der Mut zum Gedenken weiter verbreitet ist, als zu befürchten war. Trifft dies auch auf die Stadtregierung zu, wäre jede Kampagne von vornherein zum Scheitern verurteilt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 5. Oktober 2007)