"Neue Zürcher Zeitung": Geht die Sonne auf über Korea?

"Jahrelang hat sich Südkorea in 'Sonnenscheinpolitik' gegenüber dem nördlichen Nachbarn geübt und ist mit nichts als Regen und atomaren Turbulenzen belohnt worden. Nun scheint sich der Himmel über der koreanischen Halbinsel endlich aufzuheitern. (...) Wie immer im Umgang mit Nordkorea ist man aber bloß auf Vermutungen angewiesen. Gewissheit gibt es keine - und dies gilt auch hinsichtlich der jüngsten Erklärungen und Entspannungssignale. (...) Für das Ausland im Westen wie im Osten gilt es, skeptisch und wachsam die Fakten zu prüfen und sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Es darf auch nicht verdrängt werden, dass man es mit einem brutalen Unrechtsregime zu tun hat, welches das eigene Volk knechtet und hungern lässt und keine Skrupel kennt, wenn es um die Macht der herrschenden Clique geht."

"De Morgen" (Brüssel): Nordkorea ist wieder auf dem Stand vor zehn Jahren

"Es ist noch kein Jahr her, dass Nordkorea einen kleinen Atomtest ausführte, in dessen Folge internationale Sanktionen in Kraft traten, die das Land wirtschaftlich sehr hart trafen. Durch die neue Einigung ist Nordkorea wieder in der gleichen Lage wie vor zehn Jahren, als Kim Jong Il die Macht von seinem gestorbenen Vater übernahm. Damals fror Nordkorea sein Atomprogramm im Tausch gegen Hilfe ein."

"Aftenposten" (Oslo): Kein Grund zu voreiliger Freude in Korea

"Geduld ist absolut notwendig bei allen Kontakten mit Nordkorea. Es bedarf eines starken Glaubens an die Macht des Dialoges, wenn man mit einem der verschlossensten und misstrauischsten Regimes der Welt verhandelt. Nun endlich gibt es Hoffnung auf einen Friedensvertrag für die Korea-Halbinsel. Außerdem sind bedeutende Fortschritte bei der Abwicklung von Nordkoreas Atomprogramm erzielt worden. (...) Die Belohnung besteht aus Wirtschaftshilfe und dringend benötigten Öllieferungen. Die USA wollen Nordkorea von der Liste der Terrorstaaten streichen. (...) Auch wenn die Kritik an angeblicher Nachgiebigkeit gegenüber Erpressung durch die Bush-Regierung übertrieben ist, sollte sich niemand zu früh freuen. Es hat sich schon bei früheren Gelegenheiten gezeigt, dass unendliches Hinauszögern und Detailhuberei nordkoreanische Spezialitäten sind."

"La Stampa" (Turin): Koreanische Vereinbarung mit Lücken

"Das letzte Kapitel des Kalten Krieges ist beendet worden - und zwar genau dort, wo dieser 1950 begonnen hatte. Und es könnte der bisher unwahrscheinliche Beginn einer Achse zwischen China und den USA werden. Sicherlich ist (diese Vereinbarung) aber nicht der Anfang einer Wiedervereinigung der beiden Koreas. Auch wenn sie jetzt ein Friedensabkommen festgezurrt haben, so beäugen sie sich doch weiterhin mit großem Argwohn. Und die Vereinbarung in acht Punkten, von den beiden Präsidenten besiegelt, bleibt voller Lücken."

"Basler Zeitung": Zum Frieden in Korea ist noch ein weiter Weg

"Für einen Friedensvertrag braucht es auch die Unterschrift eines Mannes, der als unsichtbarer Dritter in Pjöngjang dabei war - des Präsidenten der USA. Nur George W. Bush oder sein Nachfolger kann den Wunsch des nordkoreanischen Regimes nach einer diplomatischen Anerkennung erfüllen, verbunden mit Sicherheitsgarantien und einem Ende der Handels- und Finanzsanktionen. (...) Investitionen in großem Stil gibt es erst nach einer Einigung mit Washington. Bush ist jetzt bereit für einen Deal, vorausgesetzt, Kim beerdigt seine Atompläne und verschrottet seine Bomben. (...) Kim und Bush spielen weiterhin auf Zeit. Zum Frieden in Korea ist noch ein weiter Weg."

Die katholische Tageszeitung "La Croix" (Paris): Annäherung der Koreas hat wirtschaftliche Gründe

"Das jüngste Treffen zwischen beiden Koreas, bei dem ein Wirtschaftsabkommen unterzeichnet wurde und endlich der Wille zu einem formellen Friedensabkommen deutlich wurde, ist eine gute Nachricht. Schließlich sind beide Länder offiziell immer noch im Kriegszustand. Im Jahr 1953 haben sie lediglich einen Waffenstillstand, aber nie ein Friedensabkommen unterzeichnet. (...) Eine Lektion, die sich aus dem Abkommen ziehen lässt: Es sind weder die großen Ideologien, die die Welt bewegen, noch der Druck des Westens oder der UN. Zu einem großen Teil sind es die wirtschaftliche Realität und die Absatzmärkte. Der südkoreanische Präsident ist in Begleitung der großen Unternehmenschefs von Hyundai, Daewoo und Samsung nach Nordkorea gereist. Nordkorea bedeutet ihnen vor allem die Aussicht auf preiswerte Arbeitskräfte. Das Abkommen über die Bahnlinie ist vielleicht nicht das spektakulärste, aber sicher das, welches für die Koreaner selbst am wichtigsten ist." (APA)