Neu in der Standard-Edition: Helmut Qualtinger in Arthur Maria Rabenalts "Mann im Schatten".

Foto: Filmarchiv

Anmerkungen zu einer Auswahl "bester" heimischer Laufbilder, die sich als editorischer Glücksfall erwiesen hat.

 

 

 

Am Anfang, jetzt darf man es ja laut sagen, war vorsichtige Skepsis: Über zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass sich der Verleger Georg Hoanzl mit der ihm eigenen Euphorie und einem beispiellosen Optimismus an den Standard wandte, mit dem Ansinnen, ob man nicht gemeinsam "eine Standard-Auswahl der wichtigsten österreichischen Filme" herausgeben könnte.

Dass es dabei wirklich um Qualität gehen sollte, stellte Hoanzl schnell außer Zweifel. Aber wer die heimische, von vielen Einzelgängern geprägte Produktionslandschaft kennt, um die in vielen Fällen höchst komplizierte Archiv- und Rechtelage weiß, der mochte auch ahnen, mit welchen Problemen so ein Unternehmen konfrontiert sein könnte: Schöne Auswahllisten schreiben kann man immer, und die von Hoanzl eingeräumte Möglichkeit, auch Raritäten und entlegene Entdeckungen ins Programm aufzunehmen, war auch sehr inspirierend - allein: Bekommt man auch tatsächlich alle gewünschten Titel zusammen?

Insofern war die erste, 50 DVDs umfassende Staffel von Der österreichische Film - Edition der Standard ein Kondensat einer wesentlich umfassenderen Auswahl. Und wenn darin etwa Michael Hanekes Klavierspielerin auf Wolfram Paulus' Heidenlöcher trifft, auf die Wolf-Haas-Verfilmungen von Wolfgang Murnberger, Dokumentarfilme von Ulrich Seidl und Michael Glawogger, auf Helmut Qualtinger in Kurzer Prozess oder eine Avantgarde-Kompilation mit Found-Footage-Filmen - dann stand trotzdem außer Zweifel, dass diese Nachbarschaften nur repräsentativ für einen größeren Reichtum sein konnten.

Insofern hofften im Herbst des Vorjahres alle Beteiligten, dass die Edition erfolgreich sein möge, weil nur der Erfolg die Basis für einen zweiten Teil des Projekts sein konnte. Dass dieser Erfolg dann noch beeindruckender ausfiel, als sich das zumindest Georg Hoanzl ausmalte, war Überraschung und Glücksfall zugleich: Über 250.000 DVDs wurden bis jetzt verkauft, kein einziger Titel erwies sich als Ladenhüter, ungebrochen werden die DVDs vom Fachhandel nachbestellt.

Und so ist es jetzt möglich, weitere 50 DVDs zu präsentieren, die das von der Edition bis dato teilweise nur skizzierte Bild sehr wesentlich (wenn auch immer noch: teilweise) vervollständigen:

Zum einen um Meilensteine des künstlerisch wie auch kommerziell erfolgreichen Kinos (von Hanekes Der siebente Kontinent über Peter Patzaks Kino-"Kottan" Den Tüchtigen gehört die Welt bis hin zu Niki Lists Malaria oder Axel Cortis internationalem Erfolg Welcome in Vienna). Ferry Radax' Sonne halt! ist nun ebenso verfügbar wie Florian Flickers Sci-Fi-Movie Halbe Welt. Mit der DVD-Erstveröffentlichung von Dieter Berners sechsteiliger legendärer ORF-Serie Alpensaga wird zumindest angedeutet, welche Schätze noch im TV-Bereich zu heben wären. Und erneut war es möglich und erwünscht, dass "Historisches" aus dem Filmarchiv Austria und Avantgarde-Arbeiten (in Kooperation mit Sixpack Film) in die Auswahl aufgenommen wurden.

Stolz und froh ist man als Auswählender natürlich, wenn diese Edition Titel anbietet, die im Kino meist nur einem kleinen, erlesenen Cineastenkreis vermittelbar schienen, wie etwa Gerhard Friedls sensationeller Essayfilm Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? oder der bewegende Dokumentarfilm Babooska von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Und besonders stolz sind wir, dass zum Beispiel der große Meister des filmischen Künstlerporträts, Wilhelm Gaube, nicht nur ermöglichte, dass erstmals Arbeiten von ihm auf DVD erschienen. Nein, er hat die Kompilation Zeitsprung auch selbst zusammengestellt und dafür teilweise Arbeiten neu montiert.

Eine Edition wie diese ist vor allem Auseinandersetzung mit Menschen, ihrer Arbeit, ihren Blickwinkeln auf Österreich und über den heimischen Tellerrand hinaus. Insofern sei vor allem den Künstlern, Produzenten, Filmhandwerkern gedankt, die die nun vorliegenden Arbeiten gemacht und die Edition mit Rat und Hilfe unterstützt haben. Mögen ihre Werke wieder ein breites, begeisterungsfähiges Publikum finden! (Claus Philipp /DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.10.2007)