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Cisco hat die Gründe für das Versagen dieser beliebten Zukunftsvision unter die Lupe genommen und Anfang 2007 sein "TelePresence" genanntes Produkt auf den Markt gebracht. Nachdem eines der 300.000 Dollar (212.000 Euro) teuren "Holodecks" jetzt auch in Wien gelandet ist, lässt sich nach dem Lokalaugenschein sagen: Ciscos TelePresence kommt der von Scotty im Raumschiff Enterprise praktizierten Kunst des Beamens derzeit am Nächsten.

Trick mit Überzeugung

TelePresence setzt die entfernten Teilnehmer einer Konferenz exakt in Lebensgröße mit Hilfe hochauflösenden Videos (HDTV) an einen Tisch. Ein Teil des überzeugend wirkenden Tricks besteht darin, dass die gesamte Konstruktion des Besprechungsraums geliefert wird: Ein in der Mitte auseinander geschnittener ovaler Tisch für zwölf Teilnehmer - eine Hälfte steht real im Raum, die andere wie eine Spiegelung über drei riesige Plasmaschirme gezeigt an der Gegenstelle.

Betritt man ein TelePresence-Zimmer ist die Täuschung perfekt - der Raum wirkt doppelt so groß, sitzen auf der anderen Seite des Tischs bereits Teilnehmer, denkt man im ersten Moment, sie seien real anwesend.

Eigenentwicklung

Dazu hat Cisco alle Komponenten selbst entwickelt, von HDTV-Displays, HD-Kameras, damit sich Teilnehmer (fast) in die Augen blicken können, Mikros und Lautsprecher, die den Raumklang simulieren, bis zur verzögerungs- und ruckelfreien HD-Übertragungstechnik. Raumgröße, Tisch, Farben und Ausleuchtung perfektionieren die Illusion.

"Unsere TelePresence-Räume funktionieren wie die Nebenstelle unserer Telefonanlagen", sagt Cisco-Österreich-Chef Carlo Wolf, während er am Display durch eine weltweite Liste scrollt und auf Sydney tippt - in Sekunden wird der Raum am anderen Ende der Welt sichtbar. Techniker oder Schulung sind für den Einsatz nicht erforderlich.

Erfolg und Nutzen

Weltweit wurden bisher 300 Systeme verkauft, in Österreich (wo bisher zwei installiert wurden) beginnt jetzt der Verkauf, sagt Cisco-Manager Markus Lange. Die hohen Kosten "sind für Unternehmen kein Thema", sagt Robert Kögl, Finanzchef von Cisco Österreich, "denn sie finanzieren sich alleine durch die Ersparnis von Reisekosten in neun bis zwölf Monaten".

Der eigentliche Nutzen liege aber wo anders als nur der Kostenersparnis: Schnellere Entscheidungen, da Meetings rascher abgehalten werden können, besserer Umgang mit der Zeit von Mitarbeitern, und "ganz neue Geschäftsmodelle, die damit möglich werden", sagt Kögl. So könnten etwa im Handel oder in Banken auch in kleinen Filialen Experten via TelePresence-Bildschirmen zur Verfügung stehen. Viele Einsatzfelder würden erst entstehen, sagt Wolf, wie z.B. eine Dolmetschzentrale für Gebärdensprache, oder "wir reden derzeit mit der Justiz darüber, ob so Einvernahmen im Ausland möglich sind". (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 06.10.2007)