Klagenfurt - In einem aufsehenerregenden Fall muss sich am kommenden Mittwoch ein 56 Jahre alte Kärntner am Landesgericht Klagenfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mitwirkung am Selbstmord seiner schwer kranken Ehefrau vor. Er hatte seine todkranke Ehefrau auf deren Wunsch im Dezember 2003 in die Schweiz begleitet, wo Suizid unter gewissen Umständen strafrechtlich nicht geahndet wird. In Österreich ist Euthanasie jedoch verboten, dem Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Die freiwillig aus dem Leben geschiedene Kärntnerin litt unter einem unheilbaren Muskelschwund, ihr drohte ein qualvoller Tod. "Die Krankheit ist nicht behandelbar", erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Carmen Riesinger. Der Ehemann hatte seine Partnerin bis zum Schluss begleitet und war auch dabei, als sie starb. Nach österreichischem Recht hatte er es damit unterlassen, den Selbstmord seiner Frau zu verhindern. Die Anklage erfolgte aufgrund einer anonymen Anzeige.

"Einen fall wie diesen gab es bei uns noch nie

Obwohl diese Form der Euthanasie unter bestimmten, sehr strengen Auflagen, in der Schweiz straffrei ist, muss sich der 56-Jährige nun vor einem heimischen Gericht verantworten. "In diesem Fall unterliegen die beiden Kärntner dem österreichischen Recht - auch wenn die eigentliche Tathandlung im Ausland stattgefunden hat", erklärte Riesinger. Nachsatz: "Einen Fall wie diesen gab es bei uns noch nie." (APA)