Wien - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Wiener Börse seien bereits seit dem Frühjahr 2007 Kenntnis über das Wertpapier-Rückkaufprogramm von Meinl European Land (MEL) informiert gewesen, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner morgen, Montag, erscheinenden Ausgabe. Laut Bericht hatte das Management der börsenotierten Gesellschaft sowohl FMA als auch Wiener Börse bereits im März über entsprechende Rückkauf-Absichten informiert.

"Die Finanzmarktaufsicht hat den Aktienrückkauf damals formal genehmigt", erklärte ein Meinl-Manager gegenüber "profil". MEL-Sprecher Rupert-Henrich Staller hält sich gegenüber dem Magazin bedeckt: "Sie werden dazu von mir kein Wort hören", wird er zitiert. Die FMA, die den Bericht gegenüber dem Magazin unter Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht kommentieren wollte, bezeichnete am Sonntag mehrere Aspekte des Berichts als unrichtig. So sei ein Aktienrückkauf von der Aufsichtsbehörde nicht zu genehmigen, sagte FMA-Sprecher Klaus Grubelnik zur APA. Die FMA habe vom Rückkauf erst aus dem im Sommer vorgelegten Halbjahresbericht der Meinl Bank erfahren.

Zu Lasten der Investoren

MEL kaufte zwischen Anfang April und Ende August fast 90 Mio. eigene Wertpapiere zu teils überhöhten Kursen und zu Lasten der Investoren zurück. Erst nachdem die Transaktionen öffentlich geworden waren, leitete die FMA Untersuchungen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Insiderhandel ein. Der Öffentlichkeit nicht kommunizierte Rückkäufe von MEL-Anteilsscheinen im Ausmaß von rund 30 Prozent ließen den Kurs der MEL-Aktie im August einbrechen und sorgen seither für Unruhe am österreichischen Kapitalmarkt. In Österreich dürfen Aktiengesellschaften nur bis zu 10 Prozent des Grundkapitals zurückkaufen. Meinl European Land ist rechtlich aber auf der britischen Kanalinsel Jersey beheimatet.

Wie "profil" weiter berichtet, hat die Meinl-Vertriebstochter Meinl Success geschäftliche Verbindungen zum skandalumwitterten Wiener Fondsanbieter Amis unterhalten. Demnach wurden bis 2005 Meinl-Produkte über Amis-Vermittler in Deutschland und Österreich bei Kleinanlegern platziert, darunter auch Zertifikate von Meinl European Land. Als Gegenleistung zahlte Meinl Provisionen an Amis. (APA)