Bern - "Ich stehe dazu, dass ich Teamchef werden will - in ferner Zukunft. Jetzt bin ich am Lernen." Also sprach Andreas Herzog, Assistent von Teamchef Josef Hickersberger. In einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" im Vorfeld des Länderspiels gegen die Schweiz am Samstag in Zürich schloss der ÖFB-Rekordinternationale aus, dass er die österreichische Nationalmannschaft noch vor der EM übernehmen wird.

"Niemals, hören Sie auf! Es gab Polemik und Diskussionen. Meinem Chef Josef Hickersberger wurde das Vertrauen ausgesprochen. Hickersberger ist bei der EURO der Trainer. Alles andere wäre absoluter Schwachsinn", so Herzog auf eine entsprechende Frage der "NZZ". "Hickersberger bleibt dem eingeschlagenen Weg treu und hört nicht auf Forderungen, irgendwelche 38- oder 39-jährige Spieler zurückzuholen."

Hickersberger denke auch an die Zeit nach der EM, meinte Herzog. "Jeder andere Coach würde jetzt seinen Kopf für die EURO retten und den Forderungen nachgeben. Hickersberger tut dies nicht. Dafür bewundere ich ihn. Ich lerne enorm viel von ihm."

"Grantler"

Bezüglich der Kritik an den jüngsten Leistungen des ÖFB-Teams reagierte Herzog eher gereizt: "Die Angriffe klingen wie Vernichtung, wie Verarschung. Sprechen wir es ruhig aus." Ob das typisch für Österreich sei, wollte die "NZZ" wissen. Herzog: "Die Österreicher sind Grantler, insbesondere die Wiener. Wir feierten früher große Erfolge, bei der WM 1978, in den fünfziger oder in den dreißiger Jahren. Die lichten Momente der Vergangenheit stecken tief in der Fußballseele".

Die Leute seien überzeugt, dass Frankreich, Italien oder Spanien der Maßstab sein müssten, so Herzog: "Das ist völlig weltfremd. Von der Vergangenheit können wir uns nichts kaufen. Im Team wissen das alle. In der Öffentlichkeit offensichtlich nicht."

"Kennen die Gründe"

Zuletzt sei es für das ÖFB-Team es nicht gut gelaufen, räumte Herzog ein. "Wir haben uns das anders vorgestellt, keine Frage. Aber wir kennen die Gründe für die zum Teil schlechten Leistungen." Und zwar: "Wir haben 31 Spieler im Ausland. Mehr oder weniger regelmäßig zum Einsatz kommen zwischen fünf und zehn, davon sind einige unserer Leistungsträger verletzt. Alle anderen sitzen auf der Bank oder auf der Tribüne."

Leider sei es nicht gelungen, die Euphorie des U20-Teams auf die Nationalmannschaft zu übertragen: "Klar ist, dass wir ein hervorragendes Potenzial haben. Entscheidend wird sein, ob sich junge Spieler wie Leitgeb in Salzburg oder Prager in Heerenveen durchsetzen. Sonst haben wir bei der EURO ein Problem."

Für das Turnier hat Herzog ein einfaches Konzept: "Einiges von dem, was die Deutschen vor der WM gemacht haben, können wir übernehmen, einiges nicht. Aber was war denn das deutsche Sommermärchen? Eine riesige Polemik gegen Klinsmann vor der WM. Dann schoss Lahm gegen Costa Rica ein Tor, Neuville gelang gegen Polen in der Nachspielzeit das 1:0 - so war das doch." Die Analyse daraus: "Wir müssen bei der EURO ein Spiel gewinnen, dann stehen wir im Viertelfinale. So einfach ist das." (APA)