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Die Frage nach der Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses am Arbeitsmarkt wird in Zukunft viele StudentInnen beschäftigen.

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Nur einige wenige haben sich als potenzielle Arbeitgeber auf die Umstellungen im Rahmen des Bologna-Prozesses eingestellt und beginnen langsam, die nun sukzessive auf den Arbeitsmarkt drängenden Bakkalaurei Angebote zu machen. Das Gros aber scheint noch in Warteposition zu verharren.

Zur Zeit, so Bernhard Wundsam, Geschäftsführer von Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien, sei es auch noch zu früh, um fundierte Aussagen über die so genannte "Employability" von Bachelors treffen zu können. Aus den Studienabschlüssen des Jahres 2005/06 seien rund 700 Bachelors von insgesamt 5400 Studienabschlüssen an der Uni Wien hervorgegangen. Tendenz stark steigend, so Wundsam. Mit der Umstellung von 37 weiteren Studien zum Wintersemester 2007/08 wird die Universität Wien fast vollständig zur Bologna- Studienarchitektur übergehen. Und bekanntermaßen spätestens 2010 werden alle Arbeitgeber sich auch dafür etwas überlegt haben müssen.

Selbstredend verspreche sich, so Wundsam, Uniport davon die Chance, durch diese Vorverlagerung eines akademischen Abschlusses die Studierenden noch früher mit entsprechenden Services rund um Berufseinstieg und -orientierung zu begleiten. Um dieser Schnittstelle rund um den Informationsbedarf Rechnung zu tragen, seien bereits Veranstaltungen und Services zum Thema "Bologna und Employability" zwischen Universität, Vertretern des Arbeitsmarktes sowie Absolventen geplant, so Wundsam.

"Babylonisch"

Ein noch aufzuholendes Defizit einer "babylonischen Sprachverwirrung" sieht auch Michael Kaiser, Geschäftsführer von TUCareer, dem Career Center der TU Wien. Von einer Akzeptanz der Bakkalaurei am Arbeitsmarkt könne nämlich nicht grundsätzlich ausgegangen werden, sagt er. "Es hängt vieles davon ab, ob sich die Unternehmen darauf einlassen werden oder nicht", so Kaiser weiter. Und auch hier: Wenn sich aber die meisten Unternehmen noch nicht einmal darüber im Klaren seien, wie sie Bachelors in ihr System integrieren können und ob sie das überhaupt wollen, ist jegliche Vorhersage nicht möglich. Hier sei Kommunikationsarbeit seitens der Career Centers notwendig, so Kaiser weiter, und vice versa müssten auch die Unternehmen entsprechende Strukturen schaffen und Stellenprofile dafür definieren. Beides sei am breiten Feld noch nicht geschehen.

Eine Crux im Rahmen der noch nicht vorhandenen Kompatibilität von BA-MA- System und Arbeitsmarkt sieht Kaiser vor allem auch darin, dass ganz allgemein noch zu wenig über neue Berufsbilder nachgedacht worden ist - diese bis zu einem gewissen Grad auch noch nicht absehbar seien. Kaiser: "Wenn ein Bakkalaureus einer Technischen Universität beschließt, seinem Master eine wirtschaftliche Richtung zu geben, eröffnet das ein neues Berufsbild - je nach Ausrichtung im Grund- oder im Aufbaustudium." Mit der Durchlässigkeit auch an anderen Institutionen eröffnen sich einerseits also große Chancen, andererseits aber ebenso große Herausforderungen, über die sich heute noch zu wenige Gedanken machen, so Kaiser weiter.

Durch die Bologna-Umstellung, so Wundsam, erhöhe sich der Flexibilisierungsgrad der Schwerpunktsetzung bei den Studierenden. Er sieht eine interessante Option in der Annäherung von neuen Jobprofilen an den Arbeitsmarkt in der Möglichkeit eines berufsbegleitenden Master- oder PhD- Studiums. Wundsam: "Das ist sowohl für die Studierenden wie für die potenziellen Arbeitgeber interessant, wenn sie um die Gunst der besten Bachelor- AbsolventInnen buhlen." (Heidi Aichinger, DER STANDARD-Printausgabe, 6./7. Oktober 2007)