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International wird die HPV-Impfung für möglichst jedes Mädchens im Alter zwischen neun und 13 Jahren vor den ersten Sexualkontakten empfohlen (drei Teilimpfungen binnen sechs Monaten). Immunisiert man "nur" die jüngste Altersgruppe, wird sich der Effekt bei der Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs erst in etlichen Jahren einstellen, weil es so lange dauert, bis sich eventuell ein Karzinom oder eine Vorstufe dazu bildet. Deshalb kann die Impfung auch für erwachsene Frauen sinnvoll sein.

Jedoch: Auch wenn die Impfungen ein Erfolg werden, auf die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung sollte keine Frau vergessen.
Foto: APA/EPA/ Mick Tsikas
Monaco/Wien - Mit "Cervarix" (GSK) ist neben "Gardasil" eine zweite Vakzine gegen HPV-Infektionen in Europa zugelassen worden. Die Impfstoffe sind laut ExpertInnen hoch wirksam und schützen wahrscheinlich zumindest 6,5 bis sogar mehr als acht Jahr lang, hieß es beim Eurogin-Kongress in Monaco am Wochenende.

270.000 Todesfälle pro Jahr

"99,999 Prozent der Zervixkarzinome werden durch HPV-Infektionen verursacht. Karzinome, die ohne eine solche Infektion entstehen, sind extrem selten. Acht von zehn Frauen werden durch sexuelle Kontakte mit HPV infiziert. Bei zehn Prozent kommt es zu einer langfristigen Infektion mit der Gefahr für die Krebserkrankung. 71,5 Prozent der Erkrankungen gehen auf Infektionen mit den HP-Virusstämmen 16 und 18 zurück", sagte die in Fachkreisen weltweit renommierte Pathologin Margaret Stanley in Monaco.

Das beim Geschlechtsverkehr übertragene Virus wird für das Immunsystem der Betroffenen offenbar nicht ausreichend erkennbar. Daher kommt keine ausreichende Immunreaktion in Gang. Sexuell aktive Frauen können sich ihr Leben lang immer wieder anstecken, weil das körpereigene Abwehrsystem kein "Gedächtnis" für diese Viren entwickelt.
Statistiken zeigen, dass alle 18 Minuten in Europa eine Frau an Gebärmutterhalskrebs stirbt, weltweit sind es pro Jahr 270.000 Todesfälle, in Europa etwa 30.000. In Österreich erkranken pro Jahr etwa 550 Frauen, etwa 180 erliegen der Krankheit. Rund 5.000 Patientinnen bekommen nach der Abstrichuntersuchung einen verdächtigen Krebsbefund und müssen sich einem Eingriff unterziehen. Genau das könnte laut ExpertInnen zu 70 Prozent mit den Vakzinen verhindert werden.

Abstrichuntersuchungen nicht flächendeckend

Zwar gibt es in den westlichen Industriestaaten etablierte Früherkennungsprogramme mit Abstrichuntersuchungen, doch die Beteiligungsquote ist mit beispielsweise nur elf Prozent in Großbritannien recht gering. In Österreich liegt die Beteiligung bei 30 Prozent.

Auch wenn Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky bisher in der öffentlichen Debatte immer wieder erklärte, dass es sich bei den Impfungen nicht um Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs handle, so spricht die Europäischen Arzneimittel-Zulassungsagentur EMEA explizit vom Schutz vor Gebärmutterhalskrebs.

Wirksamkeit

Beide Vakzine enthalten virusähnliche künstlich hergestellte Partikel, die das Vorhandensein des Virus vortäuschen. Die Antikrebs-Wirkung beruht auf den HPV-16 und HPV-18 ähnlichen Proteinen. Eine der Vakzine schützt auch vor Genitalwarzen. Beide Impfstoffe haben aber offenbar auch eine gewisse Kreuzprävention mit anderen und ebenfalls an der Krebsentstehung beteiligten HP-Viren.

Die Impfstoffe, der zweite Hersteller (GSK) betont die zusätzliche Verwendung eines neuen Adjuvans zur Wirksamkeitsverstärkung, sind dazu extrem gut verträglich. Laut allen Daten von mittlerweile Zehntausenden Probandinnen gab es abgesehen von lokalen Reaktionen an der Einstichstelle keine weiteren Probleme.

Diane Harper vom Dartmouth Medical Center (US-Bundesstaat New Hampshire)erläuterte beim Kongress, dass klinische Studien mit 18.644 Probandinnen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren unter Verwendung von "Cervarix" gezeigt hätten, dass "die wirklich Geimpften (die Hälfte erhielt ein Placebo, Anm.) zu 100 Prozent vor durch HPV-16 und HPV-18 hervorgerufenen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs und vor wirklichen Karzinomen geschützt waren". Dieser Schutz hielte zumindest fünfeinhalb Jahre an. Derzeit würden die Daten nach sechseinhalb Jahren analysiert.

Aufnahme in das Kinder-Impfprogramm

Jetzt käme es eben auf die breite Anwendung der Vakzine zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs an. Regulär liegt der Preis in Österreich allerdings für die Impfungen bei rund 600 Euro (etwa 200 Euro pro Impfstoffdosis). Bisher gab es Aktionen der Apotheken mit Reduktion auf 450 Euro - noch immer viel zu viel für viele Familien, die ihre Töchter vor dem Zervixkarzinom schützen wollen.

Die österreichischen Apotheken haben eine Aktion mit einem der Hersteller gestartet, bei der drei Dosen rund 450 Euro kosten. Der Obmann der Trägerkonferenz des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Franz Bittner, hat für das Kinderimpfprogramm der öffentlichen Hand die Hoffnung geäußert, bei Bestellung durch den Hauptverband die reinen Vakzin-Kosten auf 80 Euro pro Dosis reduzieren zu können.

Die Entscheidung des österreichischen Gesundheitsministeriums zur Aufnahme der Impfung in das Kinder-Impfprogramm steht weiterhin aus. Das gilt auch für die Finanzierung der generellen Immunisierung der Säuglinge gegen potenziell lebensgefährliche Pneumokokken-Erkrankungen. Dazu hat sich zuletzt auch Deutschland entschlossen. (APA)