Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Bereitschaft zu weiteren Finanzspritzen für den Geldmarkt erklärt. "Die EZB wird die Liquiditätslage genau beobachten", teilte die Notenbank am Montag mit. Ziel sei es, das Niveau der kurzfristigen Zinsen nahe dem Leitzins von derzeit vier Prozent zu halten. Die EZB erklärte sich deshalb bereit, in ihren regulären Refinanzierungsgeschäften mehr Geld an die Geschäftsbanken zu verleihen als üblich. "Die EZB wird diese Politik fortsetzen, solange dies notwendig ist." Die Währungshüter hatten dem Geldmarkt seit August mehrfach mit zusätzlichen, günstigen Krediten ausgeholfen, um eine Austrocknung des Marktes und einen weiteren Anstieg der Taggeldzinsen zu verhindern. Dazu veranlasst sahen sie sich durch den Unwillen der Geschäftsbanken, sich untereinander Geld zu leihen, weil unklar ist, welche Verluste die Geldhäuser wegen der US-Immobilienkrise angehäuft haben. Gingen die Turbulenzen weiter, könne sich das Wirtschaftswachstum weltweit merklich abschwächen. IWF-Chef Rodrigo Rato zufolge werden die Auswirkungen der Krise erst im kommenden Jahr voll sichtbar. "Es wird noch Monate dauern, bevor wir das ganze Ausmaß der Verluste bei Banken und Investoren beurteilen können", sagte Rato in Madrid. Die Weltwirtschaft werde zwar auch 2008 robust wachsen, aber "die Risiken sind heute größer als vor sechs Monaten." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.10.2007)