Seit 1995 gab es nicht mehr so viele Opfer der PKK in so kurzer Zeit. In den vergangenen zwei Tagen starben 15 türkische Soldaten bei Gefechten mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei. Premier Tayyip Erdogan kündigte eine andere „Gangart“ gegen die PKK an und wird sie wohl auch realisieren. Denn je mehr Soldatensärge aus dem Südosten des Landes zurückkommen und je öfter in Istanbul oder Izmir Bomben hochgehen, desto lauter wird der Ruf nach einem Militärschlag, und desto geringer wird Erdogans Bewegungsspielraum.

Der Anti-Terror-Pakt mit dem Irak vom September hat bisher keine Wirkung gezeigt hat. Im Gegenteil, die irakischen Kurdenführer weisen ziemlich provokant jegliche Zuständigkeit für den PKK-Terror als „innertürkisch“ zurück. Und das, obwohl der Nordirak seit Langem als Basis für die Organisation dient. Das türkische Militär reagierte nun und errichtet 27 Sicherheitszonen, was als Vorbereitung für ein militärisches Vorgehen gewertet werden kann. Dies wäre allerdings brandgefährlich. Denn ein Einmarsch in den Irak würde der PKK in die Hände spielen und Erdogans Distanz zur Armeeführung schmälern.

Gefährdet wäre auch die erst durch die Wahlen im Juli mühsam erreichte Teilnahme kurdischer Politiker am demokratischen Prozess auf nationaler Ebene. Diese politische Integration war auch für Erdogan eine Chance, seiner Verwundbarkeit durch den PKK-Terror mittels einer parlamentarischen Zusammenarbeit mit den Kurden etwas entgegenzusetzen.

Nun könnte aber die Kurdenpartei, die sich nicht hinreichend von der PKK distanziert, verboten werden. Eine kurze Atempause hat Erdogan noch. Für kommenden Monat ist ein Treffen mit US-Präsident George W. Bush avisiert. Für die Amerikaner gibt es allerdings keinen Grund, plötzlich härter gegen die PKK im Irak vorzugehen. Denn der kurdische Norden ist die einzige Region, in der die US-Armee nicht in ernsten Schwierigkeiten ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2007)