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Grüne Männer einst und jetzt: der verstorbene Herbert Fux

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Johannes Voggenhuber

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Johann Padutsch.

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Vor dreißig Jahren zog die Bürgerliste in den Salzburger Gemeinderat ein. Die grüne Protestbewegung von einst ist mit derzeit rund 15 Prozent Wähleranteil Fixpunkt der Kommunalpolitik. Die Stadtgrünen agieren pragmatisch und setzen auf Kontinuität.

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Salzburg - Im Oktober 1977 - also ein Jahr vor der Zwentendorf-Abstimmung und lange vor der Auseinandersetzung um die Hainburger Au - passierte im bis dahin so beschaulichen Salzburg eine politische Sensation: Mit Herbert Fux und Richard Hörl zog damals die Bürgerliste in das Stadtparlament ein - als erste Grün-Gruppe in Österreich. Neben der Altstadterhaltung war vor allem der Schutz der Stadtlandschaften vor ungehemmter Verbauung ein Kristallisationspunkt der Protestbewegung - was übrigens noch heute eines der zentralen kommunalpolitischen Themen ist. Den Dreißiger jedenfalls galt es zu feiern, und so lud Bürgerlistenstadtrat Johann Padutsch vergangenen Freitag zum Geburtstagsfest ins Rockhouse.

Die Wahl des Ortes für die große Sause hat Symbolkraft. Die dem Twen-Alter entwachsenen Salzburger Stadtgrünen wollen Jugendlichkeit und ein bisschen Unangepasstheit demonstrieren.

Dabei ist die Bürgerliste längst etabliert und, nach Wahlergebnissen beurteilt, beständig wie sonst nur die zwei Großparteien: Mit einer kurzen Unterbrechung ist man seit 1982 in der Stadtregierung vertreten. Johannes Voggenhuber war der erste Grüne in einem solchen Gremium in Europa - mit dem damals für Grüne in Österreich kaum vorstellbaren Rekordergebnis von 17,7 Prozent Stimmenanteil.

Nachdem die Bürgerliste mit vielen ihrer Gründerväter wie Fux oder dem Richter Eckehart Ziesel nach teils heftigen Streitereien gebrochen hatte, setzt man inzwischen auf Personalkontinuität: Nach Fux und Voggenhuber übernahm Padutsch die Führung der in Spitzenpositionen traditionell nur mit Männern besetzten Partei.

Der mit den undankbaren Ressorts Planung und Verkehr Befasste ist mit 25 Dienstjahren der längst dienende Kommunalpolitiker an der Salzach. Padutsch wird wohl auch 2009 als Spitzenkandidat ins Rennen gehen.

Dass die einstige Protestbewegung inzwischen eine fixe kommunalpolitische Größe ist, wird von Beobachtern nicht zuletzt ihrer Ausrichtung zugeschrieben: Linksalternativ sei sie nie geworden, "bürgerlich-konservativ denkende Menschen" hätten das Sagen, hat der Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Manfred Perterer, in einem Grußwort zum Jubiläum die Bürgerliste gelobt.

Jüngstes Beispiel ist die Ausgliederung der städtischen Gebäude aus der Magistratsverwaltung: Diese trägt die Bürgerliste trotz wütender Proteste von Grüngewerkschaftern gegen die "Privatisierung durch die Hintertür" mit. An den Wahlurnen geht dieser Pragmatismus vor allem zu Lasten der VP. Gerade im grünen, wohlhabenderen Süden der Stadt ringen Bürgerliste und Schwarze um ähnliche Wählersegmente. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2007)