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Moskau – Die russische Staatsführung schottet nicht nur eine Reihe strategischer Branchen vor ausländischem Zugriff ab, sie überlegt nun offenbar auch, ausländische Manager großer russischer Unternehmen durch einheimische zu ersetzen. "Wie Sie wissen, besteht diese dünne Schicht des obersten Managements vor allem aus ausländischen Spezialisten", sagte Präsident Wladimir Putin vor der Oberen Parlamentskammer. Putin kam auf dieses Thema zu sprechen, als er sich über den steigenden Warenimport und die damit einhergehende Behinderung der russischen Produktion beklagte: "Solange wir keine Substituierung des Imports sowohl in Großfirmen als auch in allen anderen Sektoren erreichen, wird uns der Import überfluten."

Ausländer Rarität

Experten sehen hingegen keinen überbordenden Anteil an ausländischen Managern in russischen Unternehmen. Ausländer auf Leitungsposten seien "eine ziemlich große Rarität", sagt etwa Peter Forro von Neumann International zur Zeitung Wedomosti. Bei den großen russischen Metallkonzernen sind so gut wie keine zu finden, beim Megakonzern Basel des Oligarchen Oleg Deripaska immerhin fünf (von 17 Spitzenmanagern). Beim Stahlkocher Severstal ist der Burgenländer Thomas Veraszto Vizechef. Im größten Ölförderer Rosneft werkt gerade einmal ein Ausländer als Vizefinanzchef. Einzig der drittgrößte Ölkonzern TNK-BP wird von sechs Russen und acht Ausländern geleitet, was allerdings dem 50:50-Jointventure entspricht. Recruiting-Experten betonen, dass Ausländer wegen des noch immer größeren Know-how angeheuert werden. Sie sind übrigens mittlerweile billiger als Russen.

Notwendigkeit der Kaderbildung

Putins Aussage sei nicht gegen eine Verdrängung der Expats gerichtet, versichert eine Kreml-Quelle in Wedomosti: Putin wollte lediglich die Notwendigkeit der eigenen Kaderausbildung unterstreichen. Was übrigens Mitarbeiter auf der mittleren Managementebene betrifft, so werden auch bei den ausländischen Firmen in Russland in den letzten Jahren immer mehr Russen statt Ausländer eingestellt. (Eduard Steiner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 11.10.2007)