Graz/Klagenfurt – Andrea Zweibrot musste aufgeben, Mario Kowald ebenso. Sie hatten alles versucht: das Studium an der Grazer Uni perfekt absolviert, ebenso das Gerichtsjahr, aber dann war Schluss. "Man hat mir eindringlich gesagt, es bringt nichts, es geht nicht", erinnert sich der Jurist Mario Kowald."Ich bin sogar bis kurz vor die Richteranwärter-Prüfung gekommen, dann wurde ich aber nicht mehr zugelassen. Wegen der körperlichen Nichteignung, wie es hieß", sagt Andrea Zweibrot. Kowald und Zweibrot sind wegen ihres Blindseins vom Richteramt ausgeschlossen worden. Kowald engagiert sich seither führend im Blindenverband, Andrea Zweibrot arbeitet als Juristin im Magistrat Klagenfurt. Ohne Probleme. Das notwendige technische Equipment – spezielle PC-Einrichtungen zur Text- und Spracherfassung – stellt das Bundessozialamt zur Verfügung. Was in anderen Staaten wie Deutschland, England oder USA längst Usus ist, bleibt in Österreich trotz neuer Antidiskriminierungsregelungen auch weiter graue Theorie. Blinde dürfen heimischen Gerichten nicht vorsitzen. Der mit acht Jahren erblindete Brite Sir John Wall, der kürzlich in Graz bei einer internationalen Blindentagung des BFI teilnahm, war jahrelang sogar Höchstrichter in Großbritannien. Wall erinnerte im Standard-Gespräch daran, dass die Gründe der Ablehnung immer dieselben seien. In Großbritannien habe man aber ein Umdenken bewirkt. Wall: "Auch bei mir hat es geheißen, ich könne nicht richten, wenn ich Angeklagte oder Zeugen nicht sehen kann. Das kann aber auch ein Vorteil sein: Wir können besser hören, ob jemand die Wahrheit sagt, und werden nicht von Verkleidungen oder einem Schauspiel abgelenkt." Mario Kobald ergänzt, dass mit den neuen Technologien der Richterberuf ohne Problem für Blinde machbar sei. Kowald: "Ich glaube, wir müssen da den Sehenden noch die Augen öffnen." Der Sprecher des Grazer Oberlandesgerichtes, Ulrich Leitner, bleibt dennoch skeptisch. Auch wenn es nun gesetzlich möglich sei, blieben dennoch wichtige Hürden, wie die Mobilität zu Lokalaugenscheinen oder die Beurteilung von Beweisgegenständen. Kowald aber glaubt: "Man will uns einfach nicht." (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 11.10.2007)