Das geplante Übernahmeangebot von Drillisch und United Internet für den Mobilfunk- und Internetanbieter Freenet ist laut Presseinformationen vom Tisch. Das Geld der beiden Freenet-Wettbewerber habe nicht ausgereicht, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Donnerstag unter Berufung auf Bankkreise. Die Firmen, die über ihre gemeinsame Tochter MSP knapp 30 Prozent der Freenet-Anteile halten, suchen dem Bericht zufolge nun eine zweite Chance, einzelne Geschäftsfelder von Freenet zu erwerben.

Rückschlag

Der Freenet-Aktie hat dieser Bericht einen Stoß versetzt: Während der DAX am Donnerstag wenig verändert eröffnete, brachen im TecDax die Titel von Freenet um rund 10 Prozent ein. Die Aktien der Interessenten Drillisch und United Internet gaben zunächst bis zu zwei Prozent nach, erholten sich aber rasch wieder.

Ein Plan sieht laut "FTD" vor, dass Freenet das Mobilfunkgeschäft ausgliedere und dieses an Drillisch verkaufe, während United Internet im zweiten Schritt das verbleibende DSL-Geschäft von Freenet übernehme. Ursprünglich hatten der Mobilfunkprovider Drillisch und der DSL-Anbieter United Internet dem Bericht zufolge geplant, Freenet vollständig zu übernehmen und erst anschließend aufzuspalten. Ende September hatten die MSP-Eigner in einer Börsenmitteilung noch verkündet, ihren Freenet-Anteil erhöhen zu wollen und das Unternehmen "gegebenenfalls auch vollständig zu übernehmen".

MSP lief zuletzt jedoch Gefahr, bei einem Übernahmeangebot zu viele Aktien angedient zu bekommen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Börsenprofis. Insidern zufolge war ein Angebot von etwa 22 Euro geplant - 20 Prozent über dem Kurs vor Bekanntwerden der Pläne. Dieses hätte Freenet mit insgesamt 2,1 Mrd. Euro bewertet. Selbst ein Verlustvortrag von Freenet, der dem Käufer zugefallen wäre, hätte die Finanzierung nicht mehr retten können.

Unter einem Dach

Drillisch und United Internet agieren nach FTD-Informationen zwar noch abgestimmt, aber wieder unter eigenem Namen. "Ein Gebot von MSP für die gesamte Freenet wird es nicht mehr geben", zitiert die Zeitung einen Firmeninsider. Das Joint Venture MSP mit seiner Sperrminorität diene nur noch dazu, Einfluss auf den Freenet-Verkauf zu nehmen und unliebsame Wettbewerber abzuschrecken.

Gelänge Drillisch wie vorgesehen der Kauf des Mobilfunkgeschäfts von Freenet wäre das Joint Venture MSP hinfällig. "United Internet würde dann Drillischs Anteile übernehmen und direkt 30 Prozent an der schlankeren Freenet", sagte ein Banker der Zeitung. Anschließend das DSL-Geschäft zu schlucken sei reine Formsache. Der Gesamtaufwand dieser Variante wäre geringer, sofern Freenet zuvor den Webhoster Strato abstößt.

Eile

Für den gesamten Plan ist dem Bericht zufolge Eile geboten. Steuerliche Verlustvorträge von Freenet lassen sich von einem Käufer nur noch nutzen, wenn die Übernahme noch im laufenden Jahr rechtskräftig wird. Der Verlustvortrag in Höhe von etwa 3 Mrd. Euro war durch den gescheiterten Versuch entstanden, den Freenet-Vorgänger Mobilcom zu einem Mobilfunknetzbetreiber auszubauen. Das Unternehmen stand danach finanziell am Abgrund. (apa/reuters)