Wien – Der Wellnessboom in Österreich ist ungebrochen. Zwischen Sommer 2006 und Sommer 2007 haben 32 Hotels mit Wohlfühleinrichtungen neu aufgesperrt und die Spitzenstellung Österreichs als Land mit den meisten einschlägigen Einrichtungen im Verhältnis zur Bevölkerung gefestigt. Es gibt aber auch Schattenseiten, und das nicht nur bei den erst kürzlich in die Kritik geratenen Thermen.

"Die Qualität des Wassers ist in vielen Pools zum Teil dramatisch schlecht", sagte Christian Werner, Tester von Wellnesshotels und Herausgeber des Relax Guide (271 S., 17,90 Euro), dem Standard. Er hat mit einem Team das neunte Mal in Folge den Wellnessdschungel durchforstet und erstmals auch Wasserproben gezogen. Ergebnis der mit einem mobilen Labor durchgeführten Prüfungen in 449 Hotelpools in Österreich, Deutschland und Mauritius: Nur bei rund einem Fünftel war das Wasser so aufbereitet, wie es das österreichische Bäderhygienegesetz vorsieht.

Sauberste Pools in Deutschland

Die saubersten Pools gab es laut Werner in Deutschland, wo 24,4 Prozent aller Proben in Ordnung waren. Auf der Ferieninsel Mauritius lagen 23,1 Prozent der Wasserwerte im Normbereich. Am schlechtesten schnitten im Vergleich österreichische Betriebe ab – nur 19,5 Prozent aller Wasserwerte entsprachen den Hygienestandards.

In Österreich wurden Proben aus 231 Wasserbecken gezogen. Insgesamt getestet und bewertet wurden 822 Hotels in Österreich, 1283 in Deutschland und 48 auf Mauritius.

Untersucht wurde u. a. der Gehalt an freiem und gebundenem Chlor im Wasser, der pH-Wert und die Leitfähigkeit.

Unwissenheit der Betreiber sei der Hauptgrund, warum die Wasserqualität in vielen Wellnessanlagen schlecht ist. Werner: "In solchen Pools zu schwimmen ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber ekelhaft allemal." Damit es besser werde, müssten sich Gäste mehr beschweren, rät Werner.

Hoteliervereinigung übt Kritik

Der Co-Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, Sepp Schellhorn, hat am Freitag scharfe Kritik an der Studie geübt. Er empfinde die Studie als "absurd" und meinte, Herausgeber Christian Werner wolle "fahrlässig" die Verkaufszahlen hochtreiben. Schellhorn forderte die Herausgabe der konkreten Studienergebnisse und die Bekanntgabe des Untersuchungsinstituts.

Auch Therme Loipersdorf reagierte sauer

Sauer aufgestoßen ist die Studie auch der Geschäftsführung der steirischen Therme Loipersdorf. Via Aussendung wies die Therme Loipersdorf am Freitag die Anschuldigungen "dieser dubiosen Studie als unseriös" zurück. Hygieneprüfungen durch die Universität Graz hätten immer zu positiven Ergebnissen geführt.

Größter Kritikpunkt an der Studie sei, dass weder konkrete Fakten noch Betriebe genannt werden würden: "Hotels mit kleinen Wellnessanlagen und hochprofessionelle Thermen werden ganz bequem in einen Topf geworfen." Den "pauschalen Angriff" auf die österreichischen Thermen und speziell die des Steirischen Thermenlandes könne man sich nicht gefallen lassen.

Für den eigenen Betrieb stellte die Geschäftsführung fest, dass "die Therme Loipersdorf in punkto Hygiene mustergültig ist." Regelmäßige unangemeldete Überprüfungen des Hygieneinstituts der Universität Graz würden dies beweisen. Von dieser Stelle würde eine Erfüllung der Anforderungen "weit über das gesetzliche Ausmaß" bescheinigt. (Günther Strobl, DER STANDARD/red, Print-Ausgabe, 12.10.2007)