Caracas - "Sehr positiv" lief für Christa Kranzl, SP-Staatssekretärin im Verkehrsministerium, eine einwöchige Reise nach Venezuela an, bei der zurzeit Möglichkeiten einer Technologie-orientierten Zusammenarbeit mit dem von den hohen Ölpreisen profitierenden Land ausgelotet werden.

Nach Gesprächen mit bulligen Kampfgefährten von Hugo Chávez wie dem Infrastrukturminister José Cabello und dem Bergbau-Minister José Khan konnten erste Erfolge verbucht werden: Der Anlagenbauer Andritz brachte das seit langem vorbereitete Projekt eines Zellstoffwerks um 300 Millionen Euro bis zur Unterzeichnung des Vorvertrags; Eisenbahnexperten von Siemens und dem Weichenspezialisten VAE trieben ihre Verhandlungen mit dem Verkehrsbetriebspräsidenten von Caracas, Gustavo González, einem Armeegeneral, voran.

Ähnlich wie einst im Geschäft mit Osteuropa bieten die Österreicher staatlichen oder staatsnahen Firmen Jointventures samt Wissenstransfer (z. B. zur Weichenproduktion in Venezuela) an.

General González, dem u. a. das U-Bahn-System von Caracas untersteht, ist auch zuständig für die Seilbahnen, mit denen die auf den Hügeln rings um die Stadt gelegenen Armensiedlungen mit dem Zentrum verbunden werden sollen.

Hohe Wertschöpfung

Derzeit wird von der Firma Doppelmayr das Pilotprojekt San Agustin, eine Ein-Seil-Umlaufbahn im Wert von zwölf Mio. Euro, realisiert. Wenn dieses Verkehrsmittel von der Bevölkerung angenommen werde, "sind zehn bis 15 weitere Seilbahnen möglich", sagt Martin Schöffel, Doppelmayrs Mann in Caracas. Waagner-Biro kam mit wiederverwendbaren Notbrücken im Angebot; VA Tech Hydro will Machbarkeitsstudien für Flusskraftwerke entwickeln, die Vamed ist in drei Spitalsprojekte involviert, Kapsch und Skidata bieten ihre elektronischen Systeme an. Insgesamt gehe es um Aufträge für rund 1,3 Milliarden Euro, sagte ein Delegationsteilnehmer.

Die Leichtindustrieministerin Maria Iglesias habe ihr allerdings eröffnet, dass Venezuela künftig einen möglichst hohen Anteil seines Bedarfs im Land selbst produzieren wolle, berichtete Kranzl. Vom STANDARD gefragt, ob sie in ihren Gesprächen auch international gegen die Regierung von Venezuela erhobene Vorwürfe (Rückschläge bei demokratischem Pluralismus und Meinungsfreiheit) angesprochen habe, sagte die Staatssekretärin: "Ich leite eine Wirtschaftsdelegation, um für österreichische Unternehmen Türen zu öffnen."

Weil sie sich vor der Abreise aus Österreich beim Tennisspielen eine schmerzhafte Muskelverletzung zugezogen hatte, musste Kranzl diese Aufgabe allerdings am Stock gehend absolvieren. (est, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.10.2007)