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Josef Hickersberger bei der Pressekonferenz nach dem misslungen Test gegen die Schweiz.

Foto:Reuters/Kuzmanovic
Zürich/Schruns - Die österreichischen Fußballer mussten am Tag nach dem 1:3 gegen die Schweiz nicht auslaufen, sie durften ausfahren. Mit Mountainbikes sind sie durchs Montafon geradelt, manche hatten sogar einen Helm auf, keiner ist verunfallt. Im Radfahren sind sie famos, könnte der Kritiker behaupten, aber er tut es nicht, er lehnt Scherze, die auf der Hand liegen, ab.

Das neunte sieglose Spiel in diesem Jahr wurde natürlich analysiert. Vorweg: Die Leistung war immerhin so passabel, dass diese sinnlosen Diskussionen über den Teamchef wenn schon nicht gestoppt, so doch unterbrochen sein dürften. Vom Boulevard abgesehen, aber der wurde ja auch geschaffen, um dem Volk aufs Maul zu schauen. Josef Hickersberger muss ÖFB-Präsident Friedrich Stickler nach der Niederlage von Zürich keine Analyse vorlegen. Was nach dem Match gegen die Elfenbeinküste, das am Mittwoch in Innsbruck stattfindet, passiert, wissen zum aktuellen Zeitpunkt weder Stickler noch Hickersberger.

Der Teamchef ist nämlich kein Prophet, er fühlt sich wie sein eigener Papagei, der nachplappern muss. "Paul Scharner ist bei der EURO, auch wenn er inseriert, nicht dabei. Da bin ich konsequent bis stur." Beim Thema "Rückkehr des 38-jährigen Heilbringers Ivica Vastic" verdreht Hickersberger die Augen nur innerlich, für einen sichtbaren Gefühlsausbruch schätzt er Herrn Vastic wohl zu sehr. "Alles gesagt, fad."

Man könnte auf Liegende draufhauen, das wäre aber kontraproduktiv, man sollte sie unterstützen bei den schüchternen Versuchen aufzustehen. Dass der überragende Tranquillo Barnetta von Bayer Leverkusen, der alle drei Tore der Schweizer mustergültig vorbereitet hatte, von "keinem großen Tag für unser Land" und von "viel Arbeit bis zur EURO" gesprochen hat, ist kein österreichisches Problem. Oder doch. Denn Barnetta sagte auch: "Österreich war schwach, aber nicht so schwach, wie es in den Zeitungen steht." Schlussfolgerungen: Barnetta liest, und Österreich hätte gerne zumindest ein paar so "keine großen Tage" wie die Schweiz.

Kassiert eine Mannschaft nach 71 Sekunden einen Gegentreffer, dem ein eigener Eckball vorausgegangen war, ist das bitter und ein Abwehrfehler. Marco Streller konnte allein aufs Tor zulaufen, er hätte sich Begleitschutz verdient. "Naivität", sagte Verteidiger Joachim Standfest. "Wir machen Fehler, die nicht passieren dürfen. Andere patzen zwar auch, aber bei uns werden sie bestraft." Man will sich dem Schicksal natürlich nicht ergeben. "Daran müssen wir arbeiten." Rene Aufhauser: "Manchmal sind unsere Fehler einer Profi-Elf unwürdig. Mit der Kritik müssen wir leben. Gewinnt man, wird man gleich hochgejubelt. Dagegen haben wir ja auch nichts." Korrektur: "Hätten."

Dreikämpfe

Immerhin hat sich die Mannschaft aufgebäumt. Das wurde mit dem Ausgleich durch Aufhauser nach Vorarbeit der Kollegen Andreas Ivanschitz und Sanel Kuljic belohnt. Generell wurde eine halbe Stunde lang nett kombiniert, man machte den Schweizern die Räume eng, gewann Zwei- und sogar Dreikämpfe, zwang sie zu Fehlern. Aber ein Spiel dauert halt dreimal so lange. Nach dem 3:1 durch Streller, es war nicht einmal eine Stunde um, war es um die relative Herrlichkeit geschehen. Die körperliche Leere raufte sich mit der geistigen um die Niederlage, die Ordnung ging verloren. Ivanschitz: "Leider ist ein zweites Aufbäumen nicht gelungen, von der dritten Watsche haben wir uns nicht erholt."

Kapitän Ivanschitz war eine positive Erscheinung. Im Zentrum sorgte er für Kultur. "Da kann ich der Chef sein, an der Seite ist der Abstand zu den Kollegen zu groß." Auch Markus Weissenberger konnte eingebunden werden, Yüksel Sariyar war im defensiven Mittelfeld ein Lichtblick.

Fazit: Österreich wird nach wie vor nicht Europameister werden. Gegen die Elfenbeinküste fehlen Jürgen Säumel (Sprunggelenk) und Sebastian Prödl (Muskelfaserriss), die reisten bereits heim zu Sturm Graz und zur Therapie. Jene, die geblieben sind, wollen am Mittwoch eine gute Leistung bringen. Hickersberger: "Es geht immer um dasselbe." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.10. 2007)