Bankomatkassen verleiten zum Shoppen. Das Überziehen von Jugendkonten ist im Regelfall nicht möglich.

Foto: Mastercard
Wien - Jugendliche gehören zu den bestumworbenen Zielgruppen für Banken, sind sie doch die Kundschaft von morgen. Beim Eröffnen eines Jugendkontos lauern jedoch Stolpersteine, wie die Arbeiterkammer (AK) in einer Studie erhoben hat.

234 Transaktionen bei 13 Banken in Wien und Umgebung haben gezeigt: Es ist zwar nicht leicht, dass Teenager ihr Konto überziehen - nur bei einer Bank wurde dreimal das Konto überzogen. Bankomatkarten wurden aber auch ohne Zustimmung der Eltern vergeben - und zwar von BA-CA, Bawag, Erste Bank, Raiffeisenbank Hollabrunn, RLB NÖ-Wien, PSK, Volksbank Donau-Weinland, Weinviertler Sparkasse. Ein Überziehen des Kontos war aber nicht möglich. Vier Banken (Hypo NÖ, Oberbank, Raiffeisenbank Stockerau, Volksbank Wien) haben die Karte nur ausgegeben, nachdem die Eltern eine Haftungserklärung unterschrieben hatten. Die Bank für Tirol und Vorarlberg gab an die Kids eine Kundenkarte aus.

Gegen das Gesetz

Die Ausgabe von Bankomatkarten ohne elterliche Zustimmung widerspreche dem Bankwesengesetz, wie die AK ausführt. Gemäß diesem Gesetz erhalten Teenager ohne eigenes Einkommen keine Bankomatkarte ohne Zustimmung der Eltern. Ob Kinder eine Bankomatkarte erhalten, muss von den Eltern entschieden werden, die auch eine Haftungserklärung unterschreiben müssen.

"Das Ergebnis ist gut", sagt AK-Expertin Michaela Kollmann. Die Kids machten bei dem Test 234 Transaktionen. Zum Beispiel zahlten sie an einer Bankomatkassa und behoben kurz darauf Geld an einem Bankomaten. Nur in drei Fällen wurde bei diesem Test eine Kontoüberziehung auch erlaubt.

Unterschiedlich beraten

Bei der Kontoeröffnung wurden die jungen Tester sehr unterschiedlich beraten - von einer viertel Stunde bis zu einer vollen Stunde. Der subjektive Eindruck der Tester bei der Beratung schwankte stark und reicht von "schnell mal das Konto anlegen" bis hin zu einer umfangreichen und detaillierten Beratung.

Jugendkonten sind oft gratis oder spesenbegünstigt. Dennoch warnt Kollmann, "dass ein Jugendkonto zur Spesenfalle werden kann durch teure Nebenkosten wie Dauerauftragsänderung oder Kontoschließen."

Daher verlangt die AK von den Banken, dass Jugendliche genau beraten werden und die Institute das Bankwesengesetz einhalten. "Das Testergebnis ist zwar gut, trotzdem müssen junge Menschen erst den Umgang mit Geld und Konto lernen", sagt die AK-Expertin, "damit die Schuldenfalle später nicht zuschnappt, ist ein gutes Grundwissen wichtig."

Konditionen vergleichen

Die Arbeiterkammer rät Eltern und Jugendlichen daher, die Konditionen und Leistungen sowie Guthaben- und "Minus"-Zinsen zu vergleichen. Bekommt der Jugendliche eine Bankomatkarte, sollte das Kartenlimit seinen Bedürfnissen entsprechen. Wichtig ist auch, auf das Alterslimit zu achten, das je nach Bank unterschiedlich sein kann. Manche Banken empfehlen, dass ein Elternteil zeichnungsberechtigt ist, damit Einblick in die Finanzen der Kinder genommen werden kann. Ohne Zeichnungsberechtigung darf die Bank aufgrund des Bankgeheimnisses keine Auskünfte an die Eltern erteilen.

Der Test wurde durchgeführt bei: BA-CA, Erste, Bawag, Volksbank Wien, Hypo NÖ, RLB NÖ-Wien, Oberbank, Bank für Tirol und Vorarlberg, Weinviertler Sparkasse, Raiffeisenbank Stockerau, Volksbank Donau-Weinland, Raiffeisenbank Hollabrunn und PSK. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2007)