Washington - Mit Blick auf die geplante Verabschiedung einer umstrittenen Armenien-Resolution durch das US-Repräsentantenhaus haben führende Demokraten Bedenken der US-Regierung zurückgewiesen. Mögliche Einschränkungen in der militärischen Zusammenarbeit zwischen der Türkei und den USA seien "hypothetisch" und würden die Resolution nicht verhindern, sagte die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Angesichts des Blutvergießens in der Gegenwart müssten die Fehler der Vergangenheit benannt werden. "Völkermord gibt es auch heute noch, wir haben ihn in Ruanda gesehen; wir sehen ihn nun in Darfur", sagte Pelosi.

"Ernsthafter Schaden"

Ein Sprecher des Weißen Hauses warnte, die Resolution könne den ohnehin angespannten Beziehungen zu Ankara "ernsthaften Schaden" zufügen. "Wir bedauern, dass die Sprecherin Pelosi versessen darauf ist, die Resolution zur Abstimmung zu bringen, obwohl außenpolitische und Verteidigungsexperten starke Bedenken geäußert haben", sagte Regierungssprecher Tony Fratto auf der Ranch von US-Präsident George W. Bush in Crawford, Texas. Die nicht bindende Resolution werde "die türkisch-armenischen Beziehungen nicht verbessern oder die Versöhnung zwischen Türken und Armeniern über die schrecklichen Ereignisse von 1915 vorantreiben", sagte der Sprecher.

Botschafter zurückgerufen

Die Türkei hat aus Protest gegen die vom Auswärtigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses verabschiedete Resolution ihren Botschafter aus Washington zu Beratungen zurückgerufen. In der Resolution werden die Massaker und Vertreibungen an Armeniern im damaligen Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1917 als "Völkermord" bezeichnet. Bei Vertreibungen und Todesmärschen waren damals nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier getötet worden, nach türkischen Angaben zwischen 250.000 und 500.000. Die Türkei lehnt die Einstufung der Verbrechen als Völkermord ab.

Türkisch-armenischer Patriarch lehnt US-Resolution ab

Der armenisch-apostolische Patriarch von Istanbul und ganzen Türkei, Mesrob II. Mutafyan, hat ferner die vom Außenpolitischen Ausschuss des US-Repräsentenhauses angenommene Resolution über eine Anerkennung der Armenier-Massaker im Osmanischen Reich als Völkermord missbilligt. Er lehne die Resolution ab, erklärte der Patriarch nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi.

Türkisch-amerikanischer Wirtschaftskongress abgesagt

Unterdessen hat der türkisch-amerikanische Rat für Geschäftsbeziehungen eine für Dienstag in New York geplante Konferenz unter dem Titel "Turkey Beyond 2008" abgesagt.

Die Türkei hat aus Protest gegen die vom Auswärtigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses verabschiedete Resolution ihren Botschafter aus Washington zu Beratungen zurückgerufen. In der Resolution werden die Massaker und Vertreibungen an Armeniern im damaligen Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1917 als "Völkermord" bezeichnet. (APA/Reuters)