Wien - Nach der Übernahme des börsennotierten Edelstahlherstellers Böhler-Uddeholm soll der oberösterreichische Stahlhersteller voestalpine kräftig wachsen. "Wir wollen den Umsatz in den nächsten fünf Jahren auf 15 Mrd. Euro steigern - bei einer Gewinnmarge von 10 bis 15 Prozent", sagte Voestalpine-Chef Wolfgang Eder im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (Montag-Ausgabe). Dabei bezieht sich Eder auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT). 2007 rechnet der Konzernchef mit rund 11 Mrd. Euro Umsatz. Der Vorsteuergewinn einschließlich Böhler-Uddeholm werde voraussichtlich rund 1,3 Mrd. Euro erreichen, so Eder.

Die voestalpine zählt damit neben Konzernen wie Salzgitter und ThyssenKrupp zu den profitabelsten Stahlherstellern Europas. Der Neuzugang Böhler-Uddeholm hat aber noch nicht ganz das Konzernniveau erreicht. "Bei Böhler liegt die EBIT-Marge zurzeit noch um rund fünf Prozentpunkte niedriger", so Eder.

Fünfte Sparte

Mit dem Kauf des Werkzeugstahl-Spezialisten für 3,5 Mrd. Euro avanciert voestalpine zur Nummer sechs unter Europas Stahlherstellern. Neben Stahl, Bahnsystemen, Profilform und Autozulieferung begründet Böhler-Uddeholm bei voestalpine nun die fünfte Sparte, Edelstahl, im Konzern.

Die voestalpine hatte das Übernahmeangebot Ende April vorgelegt, um einen Kauf Böhlers durch den Finanzinvestor CVC abzuwehren. Unterstützt wurde der Konzern dabei offenbar von österreichischen Banken und der Politik, die eine österreichische Lösung bevorzugten. Gegen diese Version setzt sich Eder indes vehement zur Wehr: "Da ist nichts dran." Vielmehr habe Böhler eine CVC-Übernahme nicht akzeptieren wollen, da der Finanzinvestor schon im frühen Stadium auf Einsicht in die Bücher gedrängt habe. "Damit hätte jeder über Böhler umfangreiche Informationen einholen können", sagte der voestalpine-Chef.

Aktuell hält die voestalpine fast 80 Prozent der Böhler-Aktien. Laut Eder ist zurzeit nicht geplant, das Angebot noch einmal zu erhöhen. Eine Belastung sieht er in den Minderheitsaktionären, darunter der Finanzinvestor Citadel, nicht: "Das lässt sich auf einen gewissen Lästigkeitsfaktor reduzieren."

Finanzierung durch Anleihen

Finanzieren will der voestalpine-Chef die Übernahme durch Anleihen, die 1,5 Mrd. Euro des Kaufpreises abdecken sollen, sowie über Kredite. Damit liege das Gearing, der Anteil der Nettoschulden am Eigenkapital, bei 60 bis 80 Prozent. "Ziel ist ein Gearing zwischen 25 und 40 Prozent", sagte Eder. Für Zukäufe will er jährlich künftig 300 bis 350 Mio. Euro ausgeben, bei guten Gelegenheiten auch mehr. So kündigte Eder kürzlich den unmittelbar bevorstehenden Kauf eines Profilformherstellers an.

Im Edelstahlgeschäft ist die voestalpine nach Eders Aussagen vom konjunkturellen Tief nicht betroffen. "Wir haben im Edelstahl kein Geschäft, das nicht auf Verträgen basiert - und die sind so ausgestaltet, dass das Risiko des Preises der Kunde trägt", sagte Eder. Mit anderen Worten: Steigende Preise für Rohstoffe werden an den Kunden weitergereicht. Böhler könne sich eine solche Preispolitik erlauben, da der Konzern hochspezialisierte Produkte anbiete.

"Bei uns wird der Stahl individuell gekocht für jeden einzelnen Kunden", sagte er. Aus dem gleichen Grund sieht Eder für das eigene Geschäft auch keine Gefahr in den Stahlexporten aus China. Bei den Qualitäten, die nach Europa gelangten, handle es sich bisher vor allem um Massenware. "Wir haben den Vorteil, klein zu sein", sagte Eder. Europäische Stahlhersteller hingegen, die mehr als zehn Millionen Tonnen Stahl im Jahr produzierten, hätten immer auch einen gewissen Anteil geringerwertiger Sorten im Angebot. Zurzeit treiben Konzerne wie Arcelor Mittal und ThyssenKrupp eine Anti-Dumping-Klage gegen China voran, weil sie das Land verdächtigen, überschüssigen Stahl zu Billigpreisen in den europäischen Markt zu drücken. (APA)