Paris - Duschen kann man im ersten A380 zwar nicht. Dafür offeriert Singapore Airlines zwölf Luxussuiten mit richtigen Wänden und Betten. Für romantische Reisenden lassen sich die modulablen Abteile sogar in Großraumsuiten mit Doppelbett verwandeln.

Ungehemmte Freude zeigte beim Übergabefest allerdings nur Singapore-Präsident Chew Choon Seng. Er sei "sehr geehrt", den ersten A380 in Betrieb nehmen zu können und damit als erste Airline "ein neues Kapitel in der Luftfahrtgeschichte" aufzuschlagen.

Das Lächeln der Airbus-Spitzenmanager wirkte demgegenüber etwas gezwungener. Einzelne der Anwesenden werden verdächtigt, Aktien des Airbus-Mutterhauses EADS aufgrund interner Informationen verkauft zu haben, bevor die fast zweijährigen Lieferverzögerungen des A380 publik wurden.

Sparpläne gefährdet

Der Insiderskandal hat nicht nur den Ruf des Unternehmens beschädigt, sondern gefährdet auch die in den letzten Monaten in die Wege geleitete Restrukturierung des Konzerns. Viele Airbus-Arbeiter und Gewerkschaften – gestern auch IG Metall – sträuben sich stärker denn je gegen den Sparplan "Power8", seitdem der Insiderhandel der Führungsriege aufgeflogen ist. Während französische und deutsche Justiz ermitteln, nimmt die Affäre in Paris eine politische Dimension an. Der französische EADS-Hauptaktionär Arnaud Lagardère erklärte Sonntag, der frühere Premierminister Dominique de Villepin sei Anfang 2006 durchaus im Bild gewesen, als der Lagardère-Konzern einen Teil seines EADS-Kapitals an das französische Staatsunternehmen „Caisse des dépôts et consignations“ (CDC) abgetreten habe.

Zum Insiderhandel der Airbus-Manager gesellt sich damit der Vorwurf, dass der französische Staat aus unerfindlichen Gründen mit einem Millioneneinsatz Aktien kaufte, die als gefährdet galten, und kurz darauf prompt 30 Prozent an Wert verloren. In Paris gilt der Fall auch deshalb als brisant, weil Lagardère als enger Freund von Staatschef Nicolas Sarkozy gilt. Dass er nun dessen Intimfeind Villepin angreift, erstaunt in Paris deshalb niemanden. Selbst politisch versierte Kommentatoren in Paris fragen sich aber, wer in dieser Affäre die Wahrheit sagt und wer sich selbst zu schützen versucht.

Klar ist nur eins: Sollte der ursprünglich in Deutschland gehörte Verdacht zutreffen, dass die Insider-Enthüllungen – durch französische Medien – den deutschen Airbus-Chef Thomas Enders treffen hätten sollen, dann steht dieser Aspekt jetzt nicht mehr im Vordergrund. Für mehrere französische Politiker und zahlreiche Airbus-Manager geht es nur noch darum, die eigene Haut zu retten. Vor diesem Hintergrund ist es fast verwunderlich, dass der A380 gestern ohne weitere Probleme an seinen Erstkunden ausgeliefert werden konnte. (Stefan Brändle, Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2007)