Universitäten und Fachhochschulen müssen "kommunizierende Gefäße" sein, sagt FH-Ratspräsident Leopold März. Noch hapert's aber bei der Durch-lässigkeit.

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Standard: Österreich kämpft dieser Tage auf EU-Ebene besonders heftig um den Unizugang mit der Quotenregelung für Medizin. An den Fachhochschulen (FH) sind klar geregelte Zugangsbeschränkungen - im Gegensatz zu den Unis, wo sie in sechs Fächern wieder für zwei Jahre verlängert wurden - gang und gäbe. Inwiefern wäre eine systematische Zugangsregelung auch an den Universitäten berechtigt?

März: In gewissen Studien ist es für mich völlig klar, dass es auch an den Unis Beschränkungen geben muss. Viel wichtiger ist allerdings, dass die zukünftigen Studierenden rechtzeitig beraten werden, dann ist eine Selektion nicht notwendig. Wenn Studierende ausgesucht werden, dann muss jedenfalls am Beginn dieses Prozesses eine Erklärung des Studierenden stehen, warum er sich dieses Fach ausgesucht hat. Am Ende muss es ein persönliches Gespräch geben. In technischen oder wirtschaftlichen Fächern wäre es sicher von Vorteil, wenn die ersten Semester vorstrukturiert wären. An den FHs führt dies ja unter anderem zu einem viel niedrigeren Drop-out. Keinesfalls verschult werden dürfen die Geisteswissenschaften, sie fordern von den Studierenden schließlich eine spezielle Qualität der geistigen Beweglichkeit.

Standard: Auch die Finanzierung der Fachhochschulen ist für die Uni-Rektoren ein Objekt der Begierde. Die FHs gelten allgemein als besser finanziert.

März: Bei den Universitäten würde eine Studienplatzbewirtschaftung, so wie sie an den FHs üblich ist, durchaus Sinn machen, weil das zu einer realistischeren Budgetierung führt. Allerdings ist der Betrag pro Studienplatz, den der Bund leistet, seit 1993 nicht mehr valorisiert worden. Hier fehlen mittlerweile 30 Prozent im Budget der FHs.

Standard: Abgesehen von mehr Geld - was braucht der FH-Sektor in Zukunft?

März: Wir brauchen ein neues Fachhochschul-Studiengesetz, schließlich gibt es in Österreich bald über 30.000 FH-Studierende. In diesem Gesetz muss zum Beispiel endlich eine Studierendenvertretung verankert werden.

Standard: Was können Unis und FHs voneinander lernen?

März: Sie müssen kommunizierende Gefäße sein, schließlich sind sie unterschiedliche Teile desselben tertiären Bildungssektors - Standesdünkel sind also absolut unbegründet. Was die Studierenden betrifft, muss die Durchlässigkeit erhöht werden. Derzeit ist die Zulassung für FH-Studenten an den Universitäten viel zu kompliziert. Abgesehen von mangelnder Kapazität sehe ich keinen Grund, warum man beispielsweise einen FH-Bachelor nicht ohne zusätzliche Hürden zu einem Uni-Masterstudium zulassen sollte - und umgekehrt.

Standard:  Was macht Ihrer Meinung nach den Boom der Fachhochschulen aus?

März: Die Nähe zum Arbeitsmarkt. Nicht zu unterschätzen ist auch die bedarfsorientierte, regionale Gründung von Studiengängen. In Zukunft wird sich der Fachhochschul-Sektor daher vor allem in Richtung Gesundheits- und Pflegebereich entwickeln.

Standard: Wenn Sie noch einmal 19 wären, wo würden Sie studieren - an einer Fachhochschule oder an einer Uni?

März:Ich würde an einer Universität studieren - und zwar Geschichte. Das hat mit meiner Lebenserfahrung zu tun, weil mich Geschichte mein Leben lang beschäftigt hat.

Standard: Und in Ihrem Fach Biotechnologie?

März: Da wäre die Fachhochschule sehr interessant gewesen. Dort wurden und werden auch in meinem Fachbereich neue Studiengänge - teilweise auch mit Unterstützung der Universitäten - aufgestellt, die sehr gut konzipiert sind. (Andrea Heigl/DER STANDARD Printausgabe, 16. Oktober 2007)