Hand aufs Herz: Hat nicht schon jeder einmal in einem Lokal innerlich geseufzt und gedacht: Fein wär’s hier – wenn einem nicht dauernd ein pinker Gummiball in die Suppe springen würde und das reizende Kind vom Nachbartisch seine "Monster-Attacke" in einer solchen Lautstärke durchführen könnte, dass man sein eigenes Gegenüber noch versteht. Und dann den lieben Nachwuchs – auch den eigenen – auf den Mond gewünscht?

Natürlich nicht dauerhaft, denn grundsätzlich sind Kinder toll und gehören zum Leben. Aber manchmal möchten Erwachsene, egal ob Eltern oder nicht, ein paar Stunden ihre Ruhe haben, und für selbige sorgt nun ein Wirt in Bayern, indem er Kinder nicht mehr bei ihm speisen lässt. Das ist konsequent, wenngleich der Wirt nun auch heftig attackiert wird. Aber was ist denn wirklich passiert? Niemand muss um Leib und Leben zittern, keiner muss in der Kälte hungern, denn es gibt ja noch genug andere Lokale, in denen Kinder herzlich willkommen sind. Die Alternative zum kinderfreien Lokal heißt ja nicht, nur daheim an Mamis Rockzipfel zu hängen. Im Gegenteil, es gibt Lokale, die speziell für die Jüngsten eingerichtet sind.

Kein Mensch hat den eigenen Nachwuchs (außer er ist noch sehr klein) immer dabei. Auch begeisterte Papas und Mamas gehen einmal allein zum Steuerberater, ins Theater oder in die Sauna. Also kann es doch nicht so schlimm sein, wenn jemand nach schlechten Erfahrungen sagt: Mein Lokal ist eines nur für Erwachsene. Wer das als Kinderfeindlichkeit auslegt, übersieht die Überlegung dahinter. Das Störende sind meist gar nicht die Kinder, selbst wenn sie laut sind. Nervend sind diejenigen Eltern, die ihre Kleinen ungehindert gewähren lassen, weil sie der Meinung sind, ihnen hätten sich alle anderen unterzuordnen. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2007)