Wien – Die Preisabsprachen unter den wichtigsten Aufzugs- und Fahrtreppenherstellern, des so genannten Aufzugskartells, bleiben nicht ohne Folgen. Nach Rekordstrafen durch die EU-Kommission im Frühjahr in Höhe von 992 Millionen Euro gegen ThyssenKrupp, Otis, Kone und Schindler und 88 Millionen Euro Bußgeld, das die Bundeswettbewerbsbehörde in Wien gegen Kone, Otis und Schindler (samt Haushahn und Doppelmayr-Aufzüge) beantragt hat, geht der Schindler-Konzern nun gegen Führungskräfte, besser gesagt gegen ehemalige Manager vor.

Gleichsam als Testmarkt haben die Schweizer ihre Österreich-Tochter ausgewählt, die Schindler Aufzüge und Fahrtreppen AG. Deren langjähriger, im Jänner 2007 nach Japan versetzter Geschäftsführer, Hans-Peter Schwarz, wurde bereits vor Monaten vom Konzern geklagt. Wie dem STANDARD am Arbeits- und Sozialgericht bestätigt wurde, findet die erste Tagsatzung am 24. Oktober statt. Über den Anlass für das Gerichtsverfahren gegen die verdiente Führungskraft – Schwarz leitete Schindler Österreich 22 Jahre lang und konnte den Marktanteil auf mehr als 30 Prozent steigern – schweigt der Konzern.

Klagen nur in Österreich

"Zu personellen Angelegenheiten geben wir grundsätzlich keine Auskunft", sagt eine Sprecherin. Unbeantwortet blieb am Firmensitz in Ebikon nächst Luzern auch die Frage, warum Schindler nur in Österreich gerichtlich gegen seine Ex-Manager vorgehe, während die Millionen-Bußgelder von der EU-Kommission für Preisabsprachen in Deutschland, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden verhängt worden waren. In diesen Landesgesellschaften haben sich die betroffenen Lifthersteller zwar durch die Bank von ihren Führungsmannschaften vorzeitig getrennt, über Klagen wegen illegaler Preisabsprachen ist in der Branche bis dato aber noch nichts bekannt.

Laut Brancheninsidern wirft Schindler seinen Ex-Managern gar nicht vor, persönlich in Preisabsprachen involviert gewesen zu sein, sondern vielmehr, die von Führungskräften der zweiten Ebene getroffenen Absprachen nicht an die Konzernspitze in der Schweiz gemeldet zu haben. Die sind freilich auch diversen internen Revisionsteams jahrelang verborgen geblieben. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10.2007)