Obwohl man in Österreich beim Stichwort "Weltraum" reflexartig Franz Viehböck sagt, war das mittlerweile 16 Jahre zurückliegende AllAbenteuer des Niederösterreichers doch die Ausnahme. Im Regelfall sind Forschungsinstitute und Unternehmen vor allem Technologiezulieferer hinter den Kulissen zahlreicher Satellitenprojekte der Europäischen (ESA) und der amerikanischen Weltraumagentur (NASA).

Das Wiener Unternehmen Austrian Aerospace zum Beispiel entwickelt für die Mission SWARM einen weltraumtauglichen GPS-Empfänger zur exakten Positionsbestimmung von Satelliten. Im Zuge der Mission sollen drei Satelliten ab 2009 in einer Höhe 400 bis 550 Kilometern das Erdmagnetfeld und dessen Veränderungen genauestens vermessen. Dazu ist eine exakte Positionsbestimmung nötig. Im Rahmen von Galileo, das als Satellitennavigationssystem zukünftig das von den USA kontrollierte Global Positioning System (GPS) ablösen soll, baut Austrian Aerospace für den Experimentalsatelliten "Giove-B" (geplanter Start Ende 2007) die zentrale Elektronikeinheit für den Signalgenerator.

Das Grazer Institut für Weltraumforschung hat zuletzt unter anderem gemeinsam mit dem Institut für Astronomie der Uni Wien für die französische Raumsonde Corot eine Elektronikeinheit entwickelt, die mit Hilfe spezieller Prozessoren die wissenschaftlich interessanten Information aus den umfangreichen Bilddatenmengen herausfiltert - nur mehr diese Daten müssen dann zur Erde gesendet werden. Corot soll bis 2009 Helligkeitsschwankungen von tausenden Sternen studieren. Daraus will man auf die Existenz weiterer noch unbekannter Planeten schließen. Erste Erfolge konnte man im Mai dieses Jahres verzeichnen.

Gravitationswellen vermessen

Ein weiterer Akteur in der internationalen Weltraumforschung sind die Austrian Research Centers Seibersdorf, wo unter anderem das Steuer-Triebwerk FEEP entwickelt wurde, das erstmals ermöglicht, Satelliten so genau zu positionieren, dass sie Gravitationswellen, Schwingungen in Raum und Zeit, vermessen können. In einem anderen Projekt wurden erstmals ungiftige und nicht krebserregende Treibstoffe (Green Propellants) verwendet.

Die Umsätze von Austrian Aerospace, ARC & Co. sind zuletzt von 60 Millionen Euro (2002) auf 93 Millionen (2005) angewachsen. Der heimische Markt wuchs in fünf Jahren bis zu 27 Prozent jährlich - unterstützt vom Weltraumprogramm des Infrastrukturministeriums.

Die Geschichte der Weltraumaktivitäten Österreichs hat Bruno Besser vom Institut für Weltraumforschung jetzt in einem neuen Buch zusammengefasst, das in einer Buchreihe der ESA, die der Weltraum-Historie der Mitgliedsländer gewidmet ist, publiziert wird. Der Band über Österreich erscheint voraussichtlich Ende 2007 beim Verlag Editions Beauchesne. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2007)