Istanbul/Wien - Die türkische Armee hat nach Angaben aus dem Generalstab noch nicht über einen Zeitplan für eine mögliche Militärintervention im Nordirak entschieden. In Ankara kursieren aber drei Szenarien dafür, berichtet "Turkish Daily News" in ihrer Internet-Ausgabe.

Das erste Szenario sieht vor, dass die Türkei mit mehr als 20.000 Mann rund 40 Kilometer tief in den Nordirak vordringt und dort bleibt, bis der "letzte Terrorist" der kurdischen Rebellenorganisation PKK "vernichtet" ist. Allerdings gilt diese Variante angesichts der schlechten Wetterbedingungen in der Region im bevorstehenden Winter als wenig wahrscheinlich.

Szenario Nummer Zwei sieht eine begrenzte Militäroperation vor, bei der Bodentruppen mit Luftunterstützung Schläge gegen die Stützpunkte der PKK ausführen und sich anschließend auf türkisches Territorium zurückziehen. Angesichts politischer und anderer Umstände gilt diese Variante als realistischer.

In einem dritten Szenario werden die türkischen Truppen entlang der Grenze massiert, während die Luftwaffe Ziele der PKK im Irak angreift. Laut Vize-Generalstabschef Ergin Saygun ist die Armee aber noch dabei, eine Strategie auszuarbeiten, von der die besten Ergebnisse zu erwarten seien.

Ankara plant diplomatische Kampagne

Unterdessen bereitet das türkische Außenministerium eine diplomatische Kampagne vor, um die internationale Gemeinschaft zu überzeugen, dass es sich bei der Militäroperation in Irak um keine Invasion handle. Es gehe dabei ausschließlich um die Bekämpfung von Terroristen. Türkische Diplomaten werden sich mit dieser Botschaft an die EU und deren Mitgliedsländer, die UNO und die Mitglieder des Weltsicherheitsrats sowie an andere internationale Organisationen wenden.

Die EU und die USA haben die Türkei vor einer Militäroperation im Nordirak gewarnt, weil sie dadurch eine weitere Destabilisierung der Region befürchten. Auch die im Parlament in Ankara vertretene pro-kurdische Partei DTP lehnt eine solche Intervention ab und warnt vor einem "Krieg der Völker". (APA)