Innsbruck - Der seit einem Jahr andauernde Strafprozess um das Innsbrucker Finanzamt geht in die Schlussrunde. Die Urteile werden möglicherweise noch im November ergehen. Auf der Anklagebank sitzen zehn Betriebsprüfer und ein Ex-Prokurist einer Steuerberatungskanzlei. Ihnen drohen im Falle eines Schuldspruches bis zu zehn Jahre Haft. Es dreht sich um einen Schaden von 5,7 Millionen Euro.

Bis zuletzt war unklar, wie lange sich das Verfahren am Innsbrucker Landesgericht - es hatte am 16. Oktober des Vorjahres begonnen - noch hinziehen wird. Nun ist aber ein Ende in Reichweite: Der Antrag eines Verteidigers auf Verlesung des gesamten Akteninhaltes - immerhin rund 100.000 Seiten - wurde nicht aufrechterhalten, wie der Leitende Staatsanwalt, Rudolf Koll, am Mittwoch bestätigte. Dieser hätte zur Folge gehabt, dass sich der Prozess um ein bis zwei Jahre in die Länge zieht. Nächster Verhandlungstag ist der 29. Oktober. Dann dürften die Schlussplädoyers beginnen.

Das gesamte Verfahren vor einem Schöffensenat geht hinter verschlossenen Türen über die Bühne. Die Urteile müssen jedoch öffentlich verkündet werden.

Steuerschonende Prüfung

Den großteils suspendierten Finanzbeamten - unter ihnen ein leitender Betriebsprüfer - und dem inzwischen pensionierten Geschäftsführer einer Steuerberatungsfirma werden Missbrauch der Amtsgewalt und Beitrag zur vorsätzlichen Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Sie sollen zwischen 1993 und 2002 Dutzende Unternehmen steuerschonend geprüft haben. An der Spitze des kriminellen Netzwerks standen laut der 260 Seiten starken Anklage der frühere Prokurist und der führende Amtsbetriebsprüfer.

In der Folge soll der Prozess gegen die mitangeklagten 16 Unternehmer wegen vorsätzlicher Abgabenhinterziehung stattfinden. Sie waren von Richter Werner Urbaner aus dem laufenden Verfahren ausgeschieden worden. Die zum Teil namhaften Angeklagten müssen bei einer Verurteilung mit hohen Geldstrafen rechnen.

Die Finanzamtsaffäre war Mitte Juni 2002 durch die Pleite des FC Tirol ans Licht der Öffentlichkeit gelangt. Im Zuge der Ermittlungen gegen FC Tirol-Manager Robert Hochstaffl flogen zunächst zwei Finanzbeamte auf. Die Untersuchungen in dem Fall hatten jahrelang gedauert. (APA)