Mogadischu/Nairobi - In der somalischen Hauptstadt Mogadischu haben Truppen der von Äthiopien unterstützten Regierung von Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed das Büro der Vereinten Nationen gestürmt und einen UN-Mitarbeiter festgenommen. Rund 30 mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten seien am Mittwoch in die UN-Vertretung eingedrungen und hätten einen Mitarbeiter des Welternährungsprogramms (WFP), den somalischen Staatsbürger Idris Mohamed Osman, mitgenommen, sagte ein Behördenmitarbeiter. Ein WFP-Sprecher in Nairobi bestätigte den Vorfall. Wegen der anhaltenden Gewalt haben viele Hilfsorganisationen das ostafrikanische Bürgerkriegsland verlassen.

Die UN-Behörde hatte zuvor beklagt, dass die seit Monaten andauernden Kämpfe zwischen bewaffneten Islamisten und somalischen und äthiopischen Soldaten die internationalen Hilfslieferungen stark behindert hätten. Eine halbe Million Menschen wurden in die Flucht getrieben. Im April hatte die Übergangsregierung den Vereinten Nationen versprochen, Hindernisse zu beseitigen, um tausenden Menschen dringend benötigte Hilfe zukommen zu lassen. Saudi-Arabien hatte Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed aufgefordert, sich an seine Zusage zu halten, die äthiopischen Soldaten durch arabische und afrikanische Truppen unter dem Dach der Vereinten Nationen zu ersetzen.

Im September war in Asmara in Eritrea eine antiäthiopische "Allianz für die Wiederbefreiung Somalias" gebildet worden. Die Milizen des sogenannten Rates der Islamischen Gerichte hatten Mogadischu beim Herannahen der äthiopischen Panzer im Dezember 2006 aufgegeben. In der Hauptstadt war es zu heftigen antiäthiopischen Demonstrationen und zu zahlreichen Anschlägen gekommen. Die Islamisten, die Waffenhilfe aus Saudi-Arabien, Jemen und Eritrea erhalten, hatten Mogadischu und große Teile Somalias ein halbes Jahr lang beherrscht, nachdem es ihnen gelungen war, die von den USA unterstützte Warlord-Allianz zu schlagen, deren Führer nunmehr in der Übergangsregierung sitzen. Die Warlords hatten nach dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 Chaos und Anarchie in dem ostafrikanischen Land verbreitet.

"Zügellose Kriegsverbrechen"

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Konfliktparteien "zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen. Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien ebenso wie die islamistischen Kräfte verantwortlich für "massives Leiden der Zivilbevölkerung". Zu den Kriegsverbrechen beider Seiten zählten Angriffe auf Wohnviertel mit Raketen und Mörsergranaten. Den äthiopischen Truppen warf HRW vor, Krankenhäuser geplündert und Zivilisten absichtlich getötet zu haben. (APA/Reuters/AP)