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Die neuen Bawag-Eigentümer lassen Bawag-Chef Ewald Nowotny die Ärmel hoch-krempeln. Verkauft wird, was nicht zum Kerngeschäft gehört – und noch mehr.

Foto: APA/Harald Schneider
Wien – Die neuen Eigentümer der Bawag PSK geben Gas – und fahren zunächst einmal rückwärts: Die Bawag zieht sich aus Osteuropa zurück. Am Montag hat der Vorstand des Instituts, das dem US-Fonds Cerberus gehört, beschlossen, die Banken in der Slowakei (Istrobanka mit einer Bilanzsumme von 1,1 Mrd, Euro, 60 Filialen und einem Buchwert von 100 Mio. Euro) und in Tschechien (Bawag Bank CZ; mit gleicher Bilanzsumme, 15 Filialen und einem Buchwert von 130 Mio.) zu verkaufen. Die Investmentbank Lehman Brothers wird den Verkauf abwickeln.

Die Geschichte soll heuer unter Dach und Fach sein, wie Bankchef Ewald Nowotny bei einem Pressegespräch im (beinah original erhaltenen) Großen Sitzungssaal in Otto Wagners Postsparkasse im Beisein von (von Cerberus entsandtem) Vorstandsberater David Roberts erklärte. Ob die Zehn-Prozent-Beteiligung an der ungarischen MKB-Bank (der Rest gehört der BayernLB) verkauft wird, ist noch nicht klar.

Die Gründe für den Verkauf: Die Banken, die Nowotny eigentlich ausbauen wollte, haben nicht die erwünschten fünf Prozent Marktanteil erreicht, die Istrobanka hält bei 1,1 Prozent, die Bank CZ bei 2,6 Prozent. Grund Nummer Zwei: Die Bawag befindet sich laut Roberts "in ihrer Renaisssance", will sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und selbiges stärken. "Wir verkaufen daher diese Banken, geben die Märkte aber nicht völlig auf, sondern machen es in Zukunft anders", erklärte er etwas kryptisch. Interessante Angebote für die Ostbanken gebe es – was Konkurrenten der Bawag durchaus bestätigen: Beide Länder florieren, neben deutschen Banken beginnen sich in jüngster Zeit spanische und griechische Institute für diese Märkte zu interessieren.

2007 soll überhaupt das Jahr der Verkäufe werden, auch alle bankfremden Beteiligungen (ATV, Bösendorfer, die Liegenschaften der Bawag, und der Lotterien-Anteil; siehe Artikel rechts) werden laut Nowotny noch heuer verkauft.

Der Satz, den zu wiederholen Roberts am Montag nicht müde wurde: "Jeder Euro aus den Verkaufserlösen geht in die Bawag, das Geld geht nicht an Cerberus zurück." Laut Kaufvertrag muss das auch so sein, jedenfalls in den ersten beiden Jahren. Für diese Frist haben sich die Amerikaner verpflichtet, kein Geld aus der Bank abzuziehen.

Erlös geht in Wachstum

Roberts kündigte denn auch ein großangelegtes Investitionsprogramm im Gegenwert von 500 Mio. Euro an. Bei seinen herzergreifenden Ausführungen – "Cerberus ist ein Langfrist-Investor, der traditionsreiche Unternehmen kauft, die in Schwierigkeiten geraten sind und viel Liebe und Aufmerksamkeit brauchen, um wieder zu ihrem einstigen Glanz zu kommen" – saß er übrigens direkt unter einem überlebensgroßen Jugendstil-Porträt Kaiser Franz Josephs. Die Pläne, die die Amerikaner mit der Bank haben: Sie wollen die Produktivität steigern, Einsparungspotenziale heben, mehr Personal zu den Kunden bringen (allerdings ist in den Dienstverträgen der Dienstort festgeschrieben), den Vertrieb ausbauen, die Marken revitalisieren. Allein in diese Stärkung des Kerngeschäfts in Österreich (Privat- und Firmenkunden) wolle Cerberus in den nächsten drei Jahren mehr als 250 Mio. Euro investieren.

Auch die Easybank (die Direktbank der Bawag, die in der Krise kaum Geschäft eingebüßt hat, und die Roberts intern gern einen "kleinen Diamanten, aus dem ein großer werden soll" nennt) wird gestärkt: Mittels 25-Mio.-Euro Spritze soll sie ihren Marktanteil verdoppeln und außerhalb Österreichs aktiv werden. Weitere 150 Mio. Euro werden in einen Geschäftszweig gesteckt, in dem die Bank bisher nicht in der Form tätig war:_Spezialfinanzierungen. Laut Roberts werden Spezialistenteams geheuert, die besondere Finanzierungsformen für Unternehmen verkaufen sollen.

Wie lange Cerberus, dessen Geschäftsmodell ja auf kräftigen Gewinn beim Ausstieg abzielt, bleiben werde? Roberts: "Mindestens fünf Jahre." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10.2007)