Armutsgefährdung in Folge von Langzeitpflege ist nicht Einzelschicksal sondern kollektives Lebensrisiko. Selbstbehalte bis zu 30 Prozent, Einbezug von bis zu 80 Prozent des Einkommens und je nach Bundesland bis auf 5000 Euro Restvermögen bedeuten einen strukturellen Abstieg in die Armut im Alter. Der Großteil der Pflegebedürftigen muss früher oder später Sozialhilfe beziehen.

Solidarische Absicherungsmöglichkeiten dieses Risikos sind auf einer Tagung diskutiert worden, die die Volkshilfe Österreich im Rahmen des EU-Projekts "Aurora." gemeinsam mit dem Forschungsinstitut SRZ, der BAWO Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe und der Initiative Minderheiten in Linz organisiert hat. "Aurora." setzt sich für die Bekämpfung von Armut ein, wovon in Österreich ältere Menschen und Frauen in besonderem Maße betroffen sind.

Dass Pflegebedarf nicht mit Verarmung einhergehen muss, wenn der entsprechende politische Wille gegeben ist, stellte die oberösterreichische Landtagsabgeordnete Gertrude Schreiberhuber in ihrer Begrüßung eindringlich fest. Denn Österreich könnte sich allemal ein vernünftiges Pflegesystem leisten, das aus Steuermitteln gewährleistet wird und einen Rechtsanspruch auf Pflege garantiert. Mit dem Ausbau präventiver Maßnahmen sind dies drei Reformschritte in der Altenbetreuung, die auch Pflegeombudsmann Werner Vogt forderte.

Der Vorsitzende der Volkshilfe Oberösterreich Josef Weidenholzer verwies über diese dringend zu verbessernden Rahmenbedingungen sozialer Tätigkeit hinaus auch auf die Sozialpolitik der EU. Er verwies auf die noch zögerlichen Bemühungen und kleinen Schritte, aus der europäischen Wirtschaftsunion auch eine Sozialgemeinschaft zu machen. Hier sei aktive Mitgestaltung statt defensivem Reagieren gefragt, so Weidenholzer.

Lösungsmöglichkeiten

Was müsse also passieren, um den sozialen Gedanken Realität werden zu lassen? Eine Vereinheitlichung der Ländergesetzgebungen und verstärkte Verantwortlichkeit des Bundes sind Weidenholzer zufolge ein erster Schritt. Außerdem soll das Pflegegeld erhöht werden sowie eine Orientierung am Pflegeaufwand statt starrem Stufenmodell passieren. Auch der Ausbau von Betreuungs-, Pflege- und Wohnformen unter Einbindung der Betroffenen sei mehr als sinnvoll. Er sprach sich auch für eine Einführung einer "sinnvollen" Grundsicherung aus.

Verbesserungswürdig sei auch die Situation der pflegenden Angehörigen und die rechtliche Absicherung der Pflegenden und Betreuenden in Verbindung mit einer Entschleunigung des Pflegealltags. Nicht zuletzt gäbe es interessante Vorschläge, wie die in manchen Bereichen unterschiedlichen Bedürfnisse von MigrantInnen als Gepflegte abgedeckt und ihnen als Pflegende sozial- und arbeitsrechtliche Sicherheit und Standards gewährleistet werden könnten, hieß es abschließend. (red)