Potsdam/London - Zwanzig Zentimeter pro Jahr klingt nicht allzu flott. Für einen Subkontinent ist das aber eine Rekordgeschwindigkeit. Aufgestellt wurde sie von der indischen Platte, ehe sie vor 50 Millionen Jahren abgebremst wurde - was wiederum den Himalaya zur Folge hatte. Als damals nämlich der Subkontinent auf jene Platte "zuraste", die Europa und Asien trägt, bildete sich quasi als Knautschzone das höchste Gebirge der Erde.

So viel ist womöglich sogar aus dem Geo-Unterricht bekannt. Überhaupt nicht klar war der Wissenschaft bislang aber, warum Indien mit diesem hohen Tempo unterwegs war. Ein Team um Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam und vom indischen National Geophysical Research Institute hat nun eine ernste Vermutung - und berichtet darüber im Fachblatt "Nature" (Bd. 449, S. 894).

Gondwana in Brüchen

Die Geologen hatten mit einer neuen Methode nach Details zum Zerbrechen des Superkontinents Gondwana gesucht, zu dem die indische Platte bis vor 140 Millionen Jahren gehörte. Dabei bemerkten sie, dass die indische Platte nur etwa 100 Kilometer dick ist und damit nur halb so mächtig wie die übrigen Restplatten von Gondwana.

Grund dafür wiederum war, wie die Forscher meinen, eine riesige heiße Gesteinsblase, die nicht nur Gondwana zerbrechen ließ, sondern auch den indischen Subkontinent leichter machte. Dieser Vulkan ließ nämlich die untere Hälfte des indischen Subkontinents wegschmelzen, so Rainer Kind. "Und deshalb konnte Indien schneller weiter verschoben werden." (tasch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 10. 2007)