Der Medienunternehmer Herbert Kloiber und seine Tele München Gruppe dürfte den österreichischen Privatsender ATV zur Gänze übernehmen. STANDARD und "Kurier" berichten in ihren Donnerstagausgaben über Kloibers Pläne. Die Vereinbarung, dass Kloiber die zum Verkauf stehenden 43 Prozent BAWAG-Anteile übernimmt, soll unmittelbar bevorstehen. Kloiber selbst wollte dazu auf Anfrage der APA keine offizielle Stellungnahme abgeben, versprach aber, sich zu äußern, "sobald es etwas zu verkünden gäbe".

Verhandlungen im Finale

BAWAG-Chef Ewald Nowotny hat am Donnerstag Vormittag bekannt gegeben, dass die Verkaufsverhandlungen für die Bankbeteiligung an ATV im Finale sind. Die Vertragsverhandlungen würden "sicher noch in diesem Jahr", "möglicherweise noch in diesem Monat" zu Ergebnissen kommen, sagte Nowotny in seinem Vortrag auf der "Gewinn-Messe". Im Monat Oktober - also binnen der kommenden zwei Wochen - dürfte es laut BAWAG noch zumindest Information über "einen" Verkaufsabschluss geben.

Übernahme mit 30. Oktober?

Die Übernahme soll mit 30. Oktober über die Bühne gehen - Kloibers Tele München Gruppe hält dann 98 Prozent an ATV. Der Kaufpreis soll sich im zweistelligen Millionen-Bereich bewegen. Die Preisvorstellungen der BAWAG sollen dem Vernehmen nach zwischen 50 und 100 Millionen Euro gelegen haben - für viele Interessenten ein zu hoher Betrag für den österreichischen Privatsender, dessen Marktanteil im September auf allen Empfangsebenen bei 2,6 Prozent lag. Die Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 sind daher bereits in der ersten Bieterrunde ausgestiegen.

Der Verkauf der rund 43 Prozent der BAWAG-Anteile ist eine Folge der Übernahme der Bank durch den US-Fonds Cerberus: Der neue Eigentümer will alle Beteiligungen verkaufen, die nichts mit dem Kerngeschäft der Bank zu tun haben. Mehrheitseigentümer Kloiber hatte bereits im Jänner angekündigt, gegebenenfalls von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Er wolle den Sender entweder selbst oder aber mit einem Partner aus dem Finanzsektor übernehmen, hatte er damals erklärt.

Aus Wien 1 wurde ATV

ATV ist seit 17. Jänner 2000 in den heimischen Fernseh-Kabelnetzen präsent. Hervorgegangen ist der Sender aus dem Wiener Kabel-TV-Unternehmen Wien 1, das im Jahr 1997 an den Start gegangen war. Zu den Erfolgsformaten zählen Eigenproduktionen wie "Bauer sucht Frau" und "Tausche Familie". Den zweithöchsten Zuschaueranteil seiner Geschichte verzeichnete der Sender erst am vergangenen Wochenende mit dem Fußball-Länderspiel Österreich gegen die Schweiz.

Ein weniger glückliches Händchen erwiesen die Programmmacher zuletzt mit dem von Entertainer Klaus Eberhartinger präsentierten "Quiz Champion", der nach kurzer Zeit wieder vom Programm gestrichen wurde. Ebenfalls kein Glück hatte man mit der Soap "Reich und Schön", die morgen, Freitag, wegen mangelnden Quotenerfolgs wieder eingestellt wird. Laut "Kurier" plant der Sender als nächstes Highlight die Show "Sing & Win" für Anfang 2008. Im Informationsbereich des Senders gibt es derzeit Überlegungen, die Nachrichten auszulagern. (APA)