Wien - Bawag-Chef Ewald Nowotny hat am Donnerstag Vormittag bekannt gegeben, dass die Verkaufsverhandlungen für die Bankbeteiligung am Fernsehsender ATV (knapp 43 Prozent) und für die Klavierfabrik Bösendorfer im Finale sind: "Ich glaube, es gibt für beide gute Lösungen, die für die Unternehmen eine Weiterentwicklung bedeuten". Die Vertragsverhandlungen würden "sicher noch in diesem Jahr", "möglicherweise noch in diesem Monat" zu Ergebnissen kommen, sagte Nowotny in seinem Vortrag auf der "Gewinn-Messe".

Im Monat Oktober - also binnen der kommenden zwei Wochen - dürfte es laut Bawag noch zumindest Information über "einen" Verkaufsabschluss geben. Wie berichtet geht es vor allem um das Ende der Vertragsverhandlungen mit dem Signing, das Closing könnte sich für aktuell zum Verkauf stehende bankfremde Firmen (ATV, Bösendorfer, Lotterien) bis ins nächste Jahr ziehen. Heuer noch unter Dach und Fach bringen will die BAWAG auch den überraschend verfügten Verkauf ihrer Ostbankentöchter in der Slowakei (Istrobanka) und in Tschechien (Bawag Bank CZ) mit zusammen 1.000 Beschäftigten.

"Das Interesse an den beiden Banken ist groß, weil es in diesen Märkten Kampf um Marktanteile gibt", berichtete Nowotny. Große österreichische Banken hatten wie am Mittwoch berichtet vorerst höflich abgewunken.

Dezidiert erst auf der Agenda 2008 steht der Verkauf der Schuhhandelskette Stiefelkönig.

Japaner auf dem Prüfstand

Inoffiziellen Informationen zufolge wird beim Privatsender ATV wie seit Wochen erwartet Mehrheitseigentümer Herbert Kloiber den Bawag-Anteil übernehmen. Für die immer noch Verluste schreibende Klavierfabrik Bösendorfer war nach Branchenangaben der japanische Yamaha-Konzern Bestbieter, ein finaler Zuschlag an die Japaner ist, wie aus der Bank zu hören war, aber noch nicht "gelaufen". Zuletzt hat sich auch eine österreichische Investorengruppe stark gemacht. Von der Bankführung selbst wird vor Ende aller Verhandlungen zu Bietern und Preisen nicht Stellung genommen.

Auf der Anlegermesse wurde Nowotny abermals nach dem Zeitpunkt des Cerberus-Exit gefragt und ob er daran glaube, ob es noch einen Bawag-Börsegang geben wird. Cerberus sei ein Langfrist-Investor, aber sicher kein Dauer-Investor, meinte Nowotny. In den nächsten Jahren solle die Bank durch neue Geschäftsfelder ihren Wert steigern, und dann - in einem Zeitraum von vielleicht sieben oder acht Jahren - in neue Eigentümerstrukturen übergehen. Ob das über die Börse geschehen wird oder nicht, ließ Nowotny auf Publikumsfragen offen. Es gebe auch eine Gruppe von österreichischen Aktionären, die dann aufstocken könnten, erklärte Nowotny, Neben dem Hauptaktionär Cerberus sind an der Bawag seit Mai die österreichische Post, Generali, Wüstenrot und Industrielle um Hannes Androsch beteiligt.

Weiter bedeckt hält sich Nowotny nach seinen eigenen beruflichen Zukunftsplänen, namentlich zum kolportierten Wechsel an die Spitze der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), wenn dort der amtierende Gouverneur Klaus Liebscher im Herbst 2008 in Pension geht. Er halte es für schlechten Stil, ein Jahr vorher über solche Sachen zu diskutieren, sagte Nowotny. "Daher halte ich mich da raus." (APA)