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Mit den gestiegenen Zinsen haben sich auch die Kosten für eine Kontoüberziehung in neue lichte Höhen emporgeschwungen. Denn seit Jahren war die in Österreich beliebte und bequeme Überziehung des Kontos nicht so teuer wie heute. Dabei ist ein immer wieder gern verwendetes Argument: "Ich will keinen neuen Kredit mehr - ich überziehe lieber einfach mein Konto."

In den meisten Fällen ist den Überziehern nicht bewusst, wie teuer sie ihre Bequemlichkeit kommen wird. Wer aber je die wahren Kosten zwischen einem Kredit und einer Kontoüberziehung verglichen hat, wird sich überlegen, ob er nicht doch den Papierkrieg für eine Kreditvergabe in Kauf nimmt. "In Österreich", erklärt Harald Glatz, Leiter der Abteilung für Konsumentenschutz der Arbeiterkammer, "bewegen sich die Zinssätze für Überziehungen innerhalb des Überziehungsrahmens zurzeit zwischen 6,75 und 13,25 Prozent. Wird der vereinbarte Rahmen überzogen, so kommen oft noch fünf Prozent Verzugszinsen dazu. Bei der teuersten Bank führt das zurzeit zu 18,25 Prozent."

Den Rahmen sprengen

Unterschieden wird zwischen Überziehungen in einem vorher vereinbarten Rahmen und Überziehungen über diesen Rahmen hinaus. Letztere gehen dann so richtig ins Geld des Überziehers.

Der Umstand, dass die Kontoüberziehung auch die EU-Behörden auf den Plan gerufen hat, die verlangte, dass dabei die Kriterien für eine Kreditvergabe eingehalten werden, und schließlich sogar die Abschaffung der Überziehung forderte, sorgte in Österreich für Unmut - auch bei den Konsumentenschützern.

"Viele Konsumenten brauchen einen kurzfristigen Bewegungsspielraum auf Konto. Es soll diese Möglichkeit daher auch in Zukunft vorhanden sein", meint Glatz. Der Aufschrei aus Österreich hat Brüssel aber vorerst ruhiggestellt: "Nach derzeitigem Stand ist von der EU keine Abschaffung der Kontoüberziehung vorgesehen", meint der AK-Konsumentenschützer.

Schuldenfalle

Trotzdem sind Kontoüberziehungen für die Kontoinhaber alles andere als unproblematisch: "Die AK will verhindern, dass das Überziehen in die Schuldenfalle führt. Daher fordert die Kammer schon seit Jahren, dass es bessere Informationen für die Konsumenten geben soll", verlangt Glatz einmal mehr erhöhte Transparenz. "Die Konsumenten sollen über die Höhe der Überziehungszinsen und den Überziehungsrahmen Bescheid wissen". Dann könnten sie sich aufgrund dieser Information entscheiden, ob sie einen "richtigen" Konsumkredit bei der Bank abschließen wollen, so der Konsumentenschützer. Und der kommt dann natürlich deutlich günstiger: "Die Zinssätze betragen zurzeit zwischen 6 und 7,5 Prozent bei einem effektiven Zinssatz zwischen 6,5 und 9,1 Prozent."

Aufwand zu groß

Doch dieses Vorhaben ist nicht so ganz einfach, weil mit Widerstand der Banken verbunden, wie die AK feststellt: "Vonseiten der Banken wird als Argument gegen mehr Konsumenteninformation eingewendet, dass dies mehr Bürokratie mit sich bringt. Den Zinssatz auf dem Kontoauszug zu drucken dürfte wohl ein begrenzter bürokratischer Aufwand sein", wettert AK-Experte Glatz. "Wenn die Konsumenten nämlich schwarz auf weiß sehen, wie unglaublich teuer eine Kontoüberziehung kommt und wie viel die Banken damit verdienen, wird kaum jemand mehr leichtfertig und langfristig sein Konto überziehen." (Reinhard Krémer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10, 2007)