Foto: Stephan Rappo
"Über Tiere" thematisiert die Ökonomie der Liebe.
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Wien - Vom 25. bis 28. Oktober ist die Bearbeitung des Elfriede Jelinek Textes "Unter Tieren" in der Regie von Christine Gaigg im Wiener Tanzquartier zu sehen.

Zwangsprostitution in Wien

"Über Tiere" wurde zu großen Teilen aus den originalen, in der Wiener Stadtzeitschrift "Falter" veröffentlichten Protokollen eines polizeilichen Lauschangriffs auf eine kriminell agierende Wiener Begleitagentur gesampelt.

Das Verhältnis zwischen Ich und Anderem oder wahlweise Liebender und Geliebtem, Dienstleistender und Kunde steht im Zentrum des Stücks der Nobelpreisträgerin. Während im ersten Teil dieses vielstimmigen Textes das Ringen um eine Sprache der Liebe steht, steigert sich der zweite Teil zu einem Schlagabtausch zwischen Zuhältern und Freiern über den Wert von "Naturfranzösisch mit Vollendung in den Mund".

Politische Brisanz

Die politische Brisanz des Textes speist sich aus der Tatsache, dass Jelinek darin die skandalösen Abhörprotokolle eines Wiener "Begleitservices" verarbeitet hat, in denen weltweit agierende Menschenhändler mit Kunden aus gehobenen politischen Kreisen um den Wert junger Mädchen aus Osteuropa feilschen. Im Fluchtpunkt beider Teile steht die Frage nach einer Ökonomie der Liebe, die zwischen Selbstverschwendung und Fremdbestimmung hin und her gerissen wird.

"Über Tiere" ist eine Koproduktion von Theater am Neumarkt Zürich, Tanzquartier Wien, Zürcher Festspiele und 2nd Nature. (red)